Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672346
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Viertes Hauptstück. 
ner dekorativen Bedeutung erkannt, aber er betrilft zugleich das 
innerste Wesen der antiken Kunst und führt erst zu, ihrem Ver_ 
ständniss. Ein architektonisches Werk kann ohne seine richtige 
Farbenergänzung gar nicht in seinem wahren Sinne gedacht und 
aufgefasst werden, das Wesen der Formen ist durch die Farben 
bedungen;  eine dunkle Säule z. B. muss anders kannclirt und 
anders prolilirt sein als eine helle' oder gar weisse; letztere er- 
heischt tiefe Schatten auf ihrer Oberfläche, dagegen darf die 
dunkle Säule, wie etwa die porphyrenc gar nicht kannelirt we1-_ 
den; andererseits gestatten jetzt ihrer ursprünglichen Blärbung be- 
raubte Formen Rückschlüsse von ihnen auf ihre ehemalige Farbe 
zu machen: hiernach ist es a priori wahrscheinlich dass die tigf 
kannelirte ionische Säule ein helleres Kolorit hatte als die flach 
kannelirte dorische, wie es auch die Ueberrestc von Farben an 
ihnen bestätigen. 
Doch ist es beinahe unnöthig hier Einzelnes zu berühren, da 
dieses ganze der Bekleidung in ihrer Anwendung auf Baukunst 
gewidmete Hauptstück nichts anderes bezweckt als diesen Zu- 
sammenhang zwischen Form und Farbe nachzuweisen. 
Es sei zunächst von alt-griechischen Mauern die Rede, die 
nicht aus weissem Marmor sondern aus anderen Baustoffen aus- 
geführt und mit Stuck überzogen sind, von solchen aus der Früh- 
zeit der hellenischen Kunst, wozu ich die meisten in Poros aus- 
geführten Tempel rechne, deren sich noch eine erhebliche An- 
zahl erhielten. Keine von diesen Poroswänden aus verhältnissmässig 
frühhellenischer Zeit, Wo immer sie sich finden, ist ohne Spuren 
ehemaligen Stucküberzuges, und obschon Farben nur noch schwach 
und nicht immer wahrgenommen werden so sind Anzeichen ihres 
früheren Vorhandenseins dennoch nicht selten. Beispiele: die 
Cellawände der selinuntischen Tempel mit Stuck und Farben- 
resten. 1 Die Wände des Tempels zu Aegina, innerlich und von 
aussen mit feinem geschliffenem und zinnoberroth gebeiztem Stuck 
überzogen, nach Wagnefs Berichte über die äginetischen Gie- 
bel und eigener Anschauung. Die äussere Cellawand des noch 
archaischen Tempels von Metapont, nach dem Herzoge von Luy- 
n.es mit gelblichem Stuck geglättet, entsprechend dem Tone der 
1 Hittorff, Temple 
Falco, über Sieilien. 
lind Monumens 
düämpeäocle 
de 
1a 
Sicile. 
di 
Serra.
        

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