Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672307
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Viertes Hauptstück. 
Zweifel die von den griechischen Künstlern Damophilos und Gor- 
gasas, die zugleich Plastiker und Maler waren, in dem Tempel 
der Ceres zu Rom ausgeführten Wandverzierungen, von denen 
uns Plinius nach Varro berichtet, dass sie bei einer Restauration 
des Tempels aus der Wand herausgesägt und in beränderte T3, 
feln eingeschlossen wurden, um sie, wie hinzugedacht werden muss, 
wieder in die restaurirte Wand einzufügen. Der Tempel der 
Juno wurde im Jahre Roms 258 durch den Diktator A. Post- 
humius erbaut, also drei Jahre vor der Schlacht von Marathon, 
493 Jahre vor Christi Geburt. 
g. 78. 
Vollendeter Stil. 
Das üppige plastische Prinzip, vermischt mit andern asiati- 
sehen Reminiscenzen, musste nach und nach zugleich mit der 
plastischen Behandlung der architektonischen Details einer neuen 
Kunstrichtung Platz machen, indem es in die monumentale Wand- 
malerei und das damit verbundene Flächenornament überging. 
Zu diesem zweiten Stile gehören die meisten noch erhaltenen 
älteren Tempel, vornehmlich von Sicilien und Grossgriechenland, 
von denen nur die allerältesten und einige vielleicht der Zeit der 
Erbauung nach nicht so alte, aber archaistische, Beispiele an die 
Frühzeit und den plastischen Verzierungstil erinnern. Sie ent- 
sprechen dem zweiten und dritten Vasenstile, dem eigentlich hel- 
lenischen, wie jene plastisch weichen, mitunter schwülstigen archi- 
tektonischen Formen der Frühzeit mit dem gräko-italischen in 
seinem ersten Auftreten noch plastischen Vasenstile homogen sind. 
(Siehe Keramik.) 
Die Wandmalerei, d. h. die eigentlich historisch-monumentale, 
erreicht nun mit Uebergängen am Ausgange dieser Stilperiode 
ihre erhabenste Richtung, durch Polygnot und seine berühmten 
Zeitgenossen.  
In Folge der gelehrten Polemik, die sich in den dreissiger 
Jahren über Wandmalerei und Tafelmalerei der Griechen ent- 
spann, ward als unzweifelhafte Thatsache festgestellt dass die 
grosse monumentale Malerei der genannten Periode des fünften 
Jahrhunderts vor Christo Wandmalerei war. 1 
1 Vergl. Raoul Rochette Memoire sur la. peinture sur mur. Journ. des Sa- 
vans. Juin Juillet Aöut. 1838. Letronne, Lettres d'un antiquaire ä un artiste
        

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