Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672247
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Vierte 
Ilauptstiick. 
Ordnung als die vorzugsweise k eramisch e bezeichnen. Ich laugne. 
hiermit zugleich den sp äten Ursprung der korinthischen Ordnung 
und halte sie für so alt wie die älteste dorische. Weiteres zur Unter- 
stützung dieser Ansicht wird sogleich gegeben werden. Vorher möge 
eine Bemerkung darüber Platz finden wie meines Erachtens die 
Berichte der Alten über Säulenordnung aus Holz zu nehmen seien, 
wie z. B. die Notiz des Pausanias über die hölzerne Säule des 
Heräums in der Altys zu Olympia den anderen steinernen Säulen 
dieses Tempels, die sicher mit Stuck bekleidet waren, eingereiht, 
dann die Säule die, von einem Schutzbaue umgeben, cbendaselbst 
als die Reliquie des Palastes des Heroen Oenomaos galt, ferner zu 
Elis das Monument des Oxylos, dessen Dach auf eichenen Säulen 
ruhte, endlich das Heiligthum des Poseidon Hippias bei Mantinea, 1 
und die aus Rebholz gearbeiteten Säulen des Tempels zu Meta- 
pont, deren Plinius (XIV. 2) gedenkt. Diese Ueberreste hatten 
zu Pausanias und Plinius Zeiten 1000 Jahre weit überdauert, und 
konnten im Freien dieses nur unter dem Schutze einer Beklei- 
dun g, die nach dem allgemeinen Gebrauche der Alten, bei der 
Beschreibung der Monumente immer den innern Stoff, den Kern 
derselben, als das Bemcrkenswertheste daran zuerst hervorzuheben, 
(eine Eigenheit die mit der Negation des Stoffes als solchen in 
der Kunst nur in seheinbarem Widerspruche steht) unerwähnt 
blieb , weil quasi selbstverständlich; der Stoff wurde nur in 
gewissem Sinne negirt, nämlich dessen materielles Hervortreten 
als solcher, in seiner spezifischen Naturwüchsigkeit und Farbe, 
die als Mittel der Dekoration nicht benützt wurden; aber zugleich 
musste, gerade um das Stoffliche vergessen zu machen, dessen 
Eigenschaften bei der Formgebung volleste Rechnung getragen 
werden. So blieb der Stoff gleichsam der Schlüssel zu dem Ver- 
ständnisse der Form und ward daher, ge rade weil er ver- 
ten aber siimmtlich auf den älteren besseren Stil hin, der vor der Zeit blühete, 
ehe Pompeji bereits vor seiner gänzlichen Zerstörung schon einmal durch ein 
Erdbeben fast dem Boden gleich gemacht war. Die Säulen des Tempels der 
Vesta zu Tivoli sowie die des gleichnamigen Monopteros zu Rom tragen den 
gleichen keramischen Stil. Ein schönes Kapitäl in gebrannter Erde befindet 
sich mit anderen Terrakotten in dem Museum Biscari in Catanca. Siehe den 
Holzschnitt nach einer von mir gemachten Skizze. 
1 Die Sage liess ihn durch die alten pelasgischen Baumeister Agarnedes 
und Trophonios erbaut sein, indem sie eichene Stämme b e a. r b e i t e t e n 
(äpyudoiysvoa) und aneinanderfiigten.
        

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