Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672222
446 
Viertes 
Häuptstück. 
den darf, sondern vielmehr als das Resultat eines neuen Gei- 
stes, der sich aus vorliegendem früheren Materiale seinen ihm 
eigenen formalen Ausdruck schuf, so konnte dieses Werk doch 
nicht anders als durch Uebergangstufen und in der Zeit sich voll- 
enden; auch behielten manche Reminiscenzen aus vorhellenischer 
Zeit noch in späterer und selbst in der vollsten Entwicklung des 
neuen Stiles ihre nicht bloss symbolische, sondern selbst reale 
Geltung, wo nämlich immer sie mit der neuen Idee verträglich 
waren und deren Ausdruck nicht störten. So erhält sich zum 
Beispiel durch alle Stilperioden das alte Bauprinzip, Welches auf 
der Bekleidung und Täfelung der Strukturen beruhte, in den Frie- 
sen, in den Relieftafeln der Metopen, in der Konstruktion des 
Tympanon des Giebels, das aus Platten besteht, besonders aber 
in der fast treu-assyrischen Umtäfelung der unteren, inneren und 
äusseren WViinde der Cella. Diese in das isodome Gemäuer ein- 
gefügten Tafeln entsprechen eigentlich nicht dem allgemeinen 
Prinzipe der Konstruktion das sich im Isodom als ächt helle- 
nisch ausspricht. Aber sie füllen nur Räume die Ruhepunkte 
der Konstruktion bilden, sind der Struktur, der Idee nach, durch- 
aus fremd, und dürfen daher hier als Repräsentanten der alten Tra- 
ditionen ihren Platz behaupten ohne zu stören. Noch andere derartige 
Reminiscenzen und Ueberlieferungsformen erhielten sich, die wohl 
an gelegentlicherer Stelle zu besprechen sind, da es hier nur darauf 
ankam durch ein Paar Beispiele das Vorangeschickte zu erläutern. 
Die eigentlichen Vermittler zwischen Altem und Neuem sind 
die beiden uralt traditionellen Bekleidungstolfe, der Mörtel und 
die Terrakotta. Beide kamen an den archaischen Tempeln in 
Verbindung mit Holz- und Ziegelkonstruktion in Anwendung, und 
zwar der Mörtel öfters als Bekleidung des Gremauerten, die Terra- 
kotta zumeist als Bekleidung des Holzwerkes. Sowohl das äiussere 
hölzerne Gebälk wie das innere Deckenwerk war mit reich orna- 
mentirten Terrakottatafeln vollständig überdeckt. Wir können 
diess aus der Beschreibung entnehmen die Vitruv von dem tos- 
kanischen Tempel gibt, der in Beziehung auf Ausführung gewiss 
nicht sehr von den alten griechischen Werken verschieden War. 
Plinius verschafft uns ausserdem einige Notizen über alte in Zie- 
geln und Holz ausgeführte Tempel zu Rom, bei denen die Terra- 
kottaverzierungen in grosser Verschwendung angewandt waren. 
Wo uns aber die Texte über diese Frage in Ungewissheit lassen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.