Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672219
'l'extile Kunst. 
Das eigentliche Griechenland. 
Allgem. 
Betrachtungen. 
445 
Vermeidung alles unnöthigen Hinweises auf die Schwer-g 
und die Trägheit der Massen, daher Verbannung des Bogens aus 
der Reihe der Kunstformen, Benützung dieser Masseneigen- 
schaften nur dazu um die Thätigkeit und das Leben der orga- 
nischen Glieder prägnant hervorzuheben, kurz Emanzipation der 
Form von dem Stofflichen und dem nackten Bedürfniss, ist die 
Tendenz des neuen Stils. 
Bei dieser Tendenz musste das hellenische Bauprinzip vor- 
nehmlich die Farbe, als die subtilste körperloseste Bekleidung, 
Hir sich vindiciren und piiegen. Sie ist das vollkommenste Mittel 
die Realität zu beseitigen, denn sie ist selbst, indem sie den Stoff 
bekleidet, unstofflich; auch entspricht sie in sonstigen Beziehun- 
gen den freieren Tendenzen der hellenischen Kunst. 
Die Polychromie ersetzt die barbarische Bekleidung mit edlen 
Metallen, die Inkrustationen, die eingelegten Edelsteine, die Ge- 
täfel und sonstigen Parerga, womit das asiatische Werk so ver- 
schwenderisch ausgestattet ist. 
Dieses ergibt sich schon aus dem oben bezeichneten Gegen- 
satze zwischen barbarischer und hellenischer Kunstweise, es findet 
in dem was an den Ueberresten der Monumente noch wahrge- 
nommen wird, und nicht minder in dem was die Alten selbst 
darüber berichtet, seine vollste Bestätigung.  
l 
Alt-Hellenisches. 
Obschon die angedeutete neue Kunstweise nicht als 
Weiterbildung bereits früher bestandener Zustände betrachtet 
eine 
wer- 
die mir nur mit Rückblick auf das genannte Prinzip des Bauens in ihrem 
wahren und ganzen Sinne erklärlich scheinen. So lässt Theokrit (Idyll. 24) 
die von der Hera abgesandten Drachen durch die hohlen Pfosten der Thür in 
den Oikos des Amphitryo schlüpfen um den SäuglingHei-akles anzufallen: P5296211 
(ögziuovrag) 81H, vzlozrüw 0138611, 36h orozßpöe uoiloe ffvgoimv ölugo, cinulnfaaoa 
rpaysiv ßpäqaog "Hgvmliod. So auch hebt Oedipus die hohlen Pfosten der von 
Innen verriegelten Thür aus ihren Lagern, um in den Thalamos zu dringen 
woselbst Jokaste sich erdrosselt hat (du die nvimävcov "Eulws uoila ulgiöpu, 
nämrlnrez Gtäyy. Sophocl. Oed. reg. 1241 seqq.). Auch die Öiuoz uotloorviüpozn 
und das Zeitwert uozlooruäpäco erklären sich aus der gleichen asiatisch urthüm- 
liehen Konstruktionsweise von der es sich handelte. (Septuaginta Agg. c. I. 
v. 4.  1 Reg. 6. 9.)  Vergleiche jedoch H. Rumpf de linterioribus aedium 
Homeriearum partibus Dissertatio sec. Gissae 1858. p. 83 der bei diesen 
Stellen überall n ur Sehnitzwerke (Caelaturen) verstanden wissen will.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.