Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672132
'l'extile 
Kunst. 
Hellas. 
Kleinasien. 
43T 
dynamisches Prinzip das nur bei der Hohlkörperkonstruktion 
seine volle Berechtigung hat. Doch wird sich zeigen "wie das 
zum vollen Bewusstsein gelangte Hellenenthum bei seinem Stre- 
ben nach der absoluten formalen Schöne diesen struktiven Ge- 
danken nicht realistisch sondern in höherem Sinne fasste.- 
Nach Vitruv hätten die durch die Dorier verdrängten helleni- 
sehen Kolonisten Kleinasiens ihren Bundestempel des panionisehen 
Apollon in Ermangelung eines eigenen Baustils nach dem Vor- 
bild des Ävon Dorus erbauten Tempels der Hera zu _Argos in dem 
dorischen Stile, aber nach leichteren Verhältnissen, ausgeführt, erst 
nachher hätten sie sich die ionische Weise angeeignet; demnach 
wäre vielleicht der Tempel von Assos aus jener frühen Zeit der grie- 
chischen Auswanderung. Doch ist Vitruv eben kein Gewährsmann 
in derartigen Fragen, und ausserdem waren in jenem Theile Klein- 
asiens wo der Tempel von Asses stand mehrere dorische Kolo- 
nieen angesiedelt, die noch in späteren Zeiten an ihrer dorisehen 
Stammsitte festhalten mochten. Wer bürgt endlich dafür "ob 
nicht grade dieser Tempel, an dem sich das Konstruktiveund 
Bildnerisehe so chaotisch vermischen, "ein äehtiasiatisches Werk 
sei?  Mischlinge zwischen den später sogenannten diorischen 
und ionischem Stilen, ausserdem bereichert mit. barbarischen Ele- 
menten, die die gereinigte hellenische Kunst abwarf, finden sich 
ausser diesem Beispiele in Fülle, und zwar nicht aus später Ver- 
fallzeit, sondern solche die zum Theil erweislieh zu den aller- 
ältesten gehören an denen überhaupt die Elemente griechischer 
Baukunst vorkommen. Sie sind wohl geeignet, unsern erlernten 
Schulbegriff von der Genesis der griechischen Ordnungen zu ver- 
wirren.  Wer hat z. B. den elsenthurm im Kidronthal bei 
Jerusalem gebaut, der seitältester Ueberlieferung das Grab des 
Absalom heisst?  Wir wissen aus dem zweiten Buch Samuelis, 
und Josephus bestätigt es, dass Absalom, der Sohn Davids zwei 
Stadien von der Stadt, im Kidronthale, sich bei seinen Lebzeiten 
ein Mal errichten liess,1 aber nichts von einem so bedeutenden 
Werke das in der Zeit der Diadochen oder "der Römer entstan- 
den Wäre. An ihm, dem somit" wahrscheinlich ältesten aufrechten 
Monumente nächst den ägyptischen, mischt sich der dorische 
Architrav und der Triglyphcnfries mit ionischem Säulenwerk, 
und assyrisch-äigyptische Hohlkehlenbekrönung mit dem dorischen 
3 1 Sam. 2. is. Joseph. A. .1. vn. m. s.
        

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