Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672047
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Viertes 
Hauptstück. 
mäler auf seiner Spitze hatte. Noch jetzt misst die Höhe des 
Erdhügels über 250 Fussf 
Das altchaldäische Konstruktionsprinzip, nämlich die Auffüh- 
rung gewaltiger Grundbauten mit Hülfe sich einander durchkreu- 
zender Mauern, deren Zwischenräume mit Füllwerk gefüttert sind, 
und die Inkrustirung der Aussenseiten des aus einem schlechteren 
Stoffe ausgeführten Werks mit einer Steinbekleidung, zeigt sich 
an allen diesen Werken, nur dass statt der chaldaischen Erdfüllung 
hier schon zum Theil das feste Bruchstein- und Mörtelfüllwerk 
kommt, was später den Römern bei ihren gewaltigen Eilbauten 
so. bequem war. Auch in den Formen sind diese pyramidalischen 
Tumuli Lydiens mittelasiatisch.  
Ganz verschieden in Bauart und Charakter von den gedachten 
lydisehen Konstruktionen sind die aus gewaltigen polygonen Stei- 
nen festgefügten Kyklopenmauern der alten Leleger; vielleicht 
Reste des in Kleinasien ursprünglich einheimischen Baustiles, der 
von hier aus nach Griechenland und Italien sich verbreitete. Wenig- 
stens findet sich nichts derartiges weder in Mittelasien noch in 
Aegypten. In dem Hauptstücke über Maurerei werden sie an 
eigentlichster Stelle zu besprechen sein, Wesshalb hier in Betreff 
ihrer nur noch gesagt sein mag, dass sie nicht zum Kunstbau 
gehören, sondern Walle und Substruktionen sind, und zwar als 
solche nur zu schützen und zu tragen hatten. Wir dürfen daher 
den Stil, dem sie angehören, nicht nach ihrer Massenhaftigkeit 
beurtheilen. Wir werden vielmehr sehen dass jene sogenannten 
Kyklopenmauern der reichsten und zierlichsten Ornamentation 
das Feld liehen. Schon an jenen asiatischen Werken dieser Gat- 
tung erkennt man mitunter deutliche Spuren von Metallbeklei- 
dungen, hinter denen vor Zeiten das unregelrnassige Gefüge der 
Felsblöcke verschwand. Wegen dieser metallischen Aussenwände 
hiessen sie auch adamantische, d. h. stählerne oder bronzene 
Mauern. Auch von Babylons Wällen erzählen einige Nachrichten 
dass sie in gleicher Weise zum Theil mit Metall bekleidet waren, 
und, wenn auch vielleicht für das weite Babylon unwahr, dürfen 
diese Erzählungen, den thatsäehlichen noch deutlich wahrnehm- 
baren Kennzeichen der genannten Art gegenüber, uns nicht mehr 
fabelhaft klingen. 
1 
temis 
Vergl. Texier description de PAsie mineure III, pag. 20. Curtius Ar. 
Gygaea und die lydischen Fürstengräber. (Archäol. Zeitung IX.)
        

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