Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672030
Textile Kunst. 
Hellas. 
Kleinasien. 
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aus letzterem nicht mehr erklärlich sind, ihm oft zu widersprechen 
scheinen. 
Unter den Ländern die derartige Spuren enthalten nimmt 
Kleinasien unsere Aufmerksamkeit zuerst in Anspruch. Es ist 
gleichsam der Kessel, in welchem der komponirte Stoff vornehm- 
lich gemischt ward, woraus später die edle hellenische Kunsttorm 
gegossen werden sollte. 1 
Wie es nun kommen mochte, ob Kleinasien noch mit jenen 
Erdmächten zu ringen hatte, deren noch bis in spätere historische 
Zeiten fortdauernde Thätigkeit durch gewaltige Spuren deutlich 
wird, während in Mesopotamien und dem Nilthale schon dichte 
Bevölkerungen sich zu Staaten geordnet hatten, die sich diesen 
der Natur kaum entrungenen YVahlplatz streitig machten und 
monumentale Spuren ihrer Einwanderungen hinterliessen, oder ob 
die Ueberreste und Zeugen so vieler alter uns grösstenthcils 
fremdartiger Kulturzustände, die sich dort finden, gerade bewei- 
sen dass hier der früheste Sitz des Menschengeschlechtes war, 
welche Meinung nach Herodot die sonst auf ihr Alter stolzen 
Aegyptier hatten,  die Thatsache, dass die verschiedenartigsten 
Elemente ältester staatlicher Zustände sich hier ablagerten, steht 
jedenfalls fest. 
Es entstand in Folge dessen auf diesem kleinasiatisohen Ge- 
biete ein Gemisch von Formen, die zum Theil in schroffen Gegen- 
sätzen einander verneinen, indem sie bestimmte Typen der Bau- 
kunst mit grosser Naivetät und Entschiedenheit festhalten, zum 
Theil dagegen sich zur Komposite verbinden und diesen Charakter 
eigenthümlich durchbilden. 
Zu den merkwürdigsten Denkmälern der zuerst bezeichneten 
Art gehören zunächst die Mauern und in Stein konstruirten Tu- 
muli der Stadt des alten Tantalos am Sipylos, und die noch ur- 
sprünglichern in ihrem Innern noch nicht untersuchten Grabhiigel 
bei Sardes, darunter das von Herodot beschriebene Grabmal des 
Ilalyattes, welches 1300 Fuss im Durchmesser und fünf Denk- 
1 Was in dem zunächst Folgenden über kleinasiatische Alterthümer ge- 
sagt wird stützt sich zum Theil auf das grosse Werk: Däscription de PAQie 
mineure par 'l'äxier, dann auf Fell0w's Schriften: an excursion in Asia Minor 
1839 und an account of rliscoveries in Lycia 1841; vornehmlich aber auf sorg- 
fältiges eigenes Studium der im Br. Museum und im Louvre {niedergelegten 
kleinasiatischen Alterthünler.
        

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