Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671965
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Viertes 
Hauptstück. 
dreifach gegliederten Gebälkes steht, welches sie tragen. Aller- 
dings erscheint an einigen der protodorischen Gräber das Gebälk 
noch sehr primitiv, wie an den Gizehgräbern, als Balkendecken- 
Vorsprung; andere Darstellungen solcher Gräber deuten dagegen 
auf einen Architrav, mit Platte, Tropfenbehang und darüber 
beündliehem Friese, hin; die Bekrönung scheint zu fehlen und 
war vielleicht schon in Form der späteren Hohlkehle. 
Aehnliche Ursachen konnten auch auf anderer Stelle ganz 
ähnliche Wirkungen hervorbringen; ein dem pharaonischen in 
gewissen Grundsätzen verwandtes staatliches Prinzip, das sich 
in Hellas erhob und mit richtigem politischem Takte sofort sei- 
nen Institutionen in grossartigem Massstabe baulich monumen- 
talen Ausdruck gab, konnte von reicheren Formen, die gleich- 
sam das Gemeingut aller Kulturvölker der antiken Welt in frühe- 
sten Zeiten waren und sich, ähnlich wie in dem alten Reiche 
Aegyptens und in Asien, auch in dem alten Hellas vorfanden, 
auf einfachere verfallen und so die Grundzüge des dorischen 
Stiles feststellen, ohne dieselben von den memphitischen Vorbil- 
dern zu entnehmen. Indessen thut, wenn letzteres der Fall ge- 
wesen ist, diess der Originalität der dorischen Hellenen nicht 
den mindesten Abbruch, in Betracht dessen, was sie aus diesem 
angeblich entlehnten Motive zu machen wussten. 
Die Mitte zwischen dem sogenannten protodorischcn Schäfte, 
dessen Kannelürenschmuck seinen augenbefriedigenden Reiz da- 
her entnimmt weil er gleichsam der dynamischen Funktion der 
Säule zum Ausdrucke dient, weil ihre Straffheit und koncentrirte 
Widerstandskraft durch ihn anschaulich wird, und der Säule 
mit dem Kelchkapitäle, bei der das Strukturschema nichts mit 
der schmückenden Bekleidung gemein hat, hält die Säule mit 
dem Lotoskelchkapitäle. Bei ihr ist der unsichtbare, den Aba- 
kus tragende, Strukturkern gleichfalls, wie bei der Kelchsäule, 
von Rohrstämmen umkleidet, die, mit naturgetreuer Entasis, 
rings um den Fuss des Strukturkernes wie aus gemein- 
samem Petalon hervorwachsen, oben unter der Knospenkrone 
durch Riemen um diesen befestigt sind; ein dem gewöhnlichen 
Kopfputze der ägyptischen Damen abgeborgtes ornamentales 
Motiv, nämlich Lotosblumen, die in die Riemen eingebunden 
scheinen, legen sich in die Zwischenräume der Lotoskelehe des 
Kapitäles, um dieses zu beleben und zugleich als Haupt zu
        

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