Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671920
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Viertes Hauptstück. 
wird und sich triglyphenartig gestaltet. Dann das Bandgefiecht 
der Rundstäbe, welche die Mauerliächen einfassen, das Lotos- 
ornament auf dem schwarzen Grunde der Sockelplatten der Ge- 
bäude, das übrigens ebenfalls schon hieroglyphisch geworden ist, 
und Wenige andere. 
Es ist ein sehr verbreiteter Wahn den starren hieratischen 
Stil Aegyptens als etwas Ursprüngliches, gleichsam als das Windel- 
band der Kunst, zu betrachten, aus dessen Fesseln sich Aegyp- 
ten niemals habe befreien können, aus welchem aber ein Auf. 
Schwung zu freier Kunst möglich sei, welchen Schritt die Grie- 
chen zuerst gewagt hätten. Die Sache verhält sich umgekehrt. 
Langsamwirkende tausendjährige Einflüsse vollendeten dieses 
Werk der Versteinerung; bereits zur Zeit der Pyramidenerbauer 
war sie weit vorgeschritten und wir erkennen an den ältesten 
Monumenten nur noch die Spuren einer schon im Erstarrungs- 
prozesse begriffenen frischeren Kunst, die freilich auf früher Eng- 
wicklungstufe bereits dem Typhon, dem versteinernden Wüsten- 
dämon für immer und unrettbar anheimgefallen war. Auf jener 
frühen Entwicklungstufe hatte sie verwandtschaftliche Züge mit, 
derjenigen Kunst die in Westasien noch in späterer Zeit sich 
erhielt und die auch in dem vorgeschiclitlichen Hellas einheimisch 
war, woselbst sie das günstige Klima und den Boden zu voller 
Entwicklung fand,  nicht ohne Einfluss vonAegypten her, oder 
doch wenigstens nicht ohne Beimischung eines hierarchisch-ägypti- 
sirenden Elements, das vielleicht ganz unabhängig von Aegypten 
aus hellenischem Boden hervorging, und eine Periode hindurch, 
die keinesweges die erste Frühperiode der griechischen Kunst 
war, gefahrdrohend für sie wurde. Aber ionischer Geist bändigte 
glücklich den versteinernden aristokratischen Dämon bis zu dem 
für sein formales Schaffen nothwendigen, ihm nicht ursprünglich 
eingeborenen, Takte für Mass und Gesetzlichkeit. 
Säulenordnungen. 
In den Säulen und dem von ihnen Getragenen tritt der Prin- 
zipiengegensatz zwischen früh-ägyptischer und pharaonischer Kunst 
noch schärfer hervor, obwohl, wie schon bemerkt worden ist, das
        

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