Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671915
Textile Kunst. 
Aegypten. 
Reich. 
und neues 
Altes 
415 
sich ungefähr seit Rhamses V. (15. Jahrh. v. Chr.) nur auf Todten- 
kult, auf Todtengericht und auf das Leben nach dem Tode be- 
ziehen, wogegen die Privaten und selbst hohe Beamte fort- 
fuhren ihre irdischen Schätze, Freuden und Verhältnisse 
auf den Wänden ihrer Gräber nach alter Sitte darstellen zu 
lassen. Doch konnte sich die Art der Darstellung dem Einflusse 
des herrschenden Kunststiles nicht mehr entwinden.  Ferner 
ist in jenen Gräbern alten Stils die Decke nicht mit Figuren 
und symbolischen Bildern bedeckt, sondern mit Motiven rein 
dekorativer Art, und zwar solchen, die ihren Ursprung aus der 
Weberei und Stickerei deutlich kundgeben. Dieselben ornamen- 
talen Motive bilden auch die Einfassungen der Wandbilder, von 
denen oben die Rede war. Die Hieroglyphik konnte sich hier 
des Ornaments so wenig wie der darstellenden Kunst bemeistern, 
sondern jenes behielt seinen primitiven einfach-struktiven Sinn 
als Muster, als Naht, Saum oder dgl. Diese Wandverzierungen 
alten Stils sind in Komposition und Farbe untadelhaft und man 
könnte sie für die Vorbilder der griechischen halten wären sie 
nicht das natürliche Gemeingut aller Völker, worauf gleichsam 
die Natur selbst diese verwies und hinführte. 1 (Siehe Tab.XI der 
lithoehromen Blätter.) 
e An ihre Stelle setzt der hieratische Pharaonenstil das sym- 
bolische Ornament, das gleichsam aus einer Reihung von Hiero- 
glyphen besteht, und dem nur selten zugleich struktur-symboli- 
scher Sinn innewohnt, gleichsam wie zufällig oder instinktiv. 
Zu diesen symbolischen Ornamenten gehören die Hathorinasken, 
die Uräusschlangenreihen über der Platte der Hohlkehlbekrönung, 
die Namenschilder der Könige mit dem heiligen Symbol der 
Schlange rechts und links, die Skarabäen und dergl. Nur 
wenige ornamentale Symbole der ursprünglichen Art behält der 
hieratische Hieroglyphenstil bei und selten ungeändert; z. B. das 
Federornament der Hohlkehle, das aber durch Namenschilder, ge- 
iiügelte Weltkugeln, geköpfte Gefangene und dergl. durchsetzt 
1 Das verdienstvolle Werk Wilkinsons enthält eine Auswahl solcher 
Muster (Vol. II, Seite 124), von denen ich einige auf Tab. XI der lithochro- 
men Darstellungen gab mit Beifügung einer skandinavischen Stickerei, die 
aus dem frühen Mittelalter stammt, deren ähnliche aber noch jetzt als Ge- 
gehicklichkeitsprobe und Vorbild für spätere Anwendung beim Zeichnen der 
Wäsche von den Biiurixmen Holsteins gestickt werden.
        

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