Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671876
Kunst. 
Textile 
Aegypten. 
Reich. 
Altes und neues 
4-11 
grünen Färbung seiner Ober-Bäche. Dessgleichen spricht er von 
einem dreissig Ellen hohen Kolosse aus rothem Granit der mit 
einem rothen Firniss überzogen war, dessen Frische durch das 
Alter nur gewonnen zu haben schien. Dasselbe bestätigen in" Be- 
treff andrer Monumente neuere Reisende. 1 Doch bedarf es kaum 
der Berufung auf diese Zeugnisse, da jeder der die prachtvollen 
polirten Syenit- und Granitsarkophage die unsere grösseren Museen 
zieren etwas genauer betrachten will leicht die Spuren des Farben- 
emails, mit dem sie einstmals überzogen waren, entdecken wird. 2 
Das Verfahren bei dieser Farbeninkrustation der Granitoberflachen 
glich wahrscheinlich dem Emailliren und würde vermuthlich von 
den Griechen enkausis genannt worden sein, wozu sie alle Malerei 
rechneten bei der die Farbe mit Hülfe grösserer oder geringerer 
Hitze auf den Grund befestigt wurde. Die polirten Flächen sind wie 
es scheint in der Regel mit durchsichtigen Emailfarben überzogen 
worden, der mattgelassne Grund der Hieroglyphen und Bilder wurde 
dagegen mit opaken Farben bedeckt. Wahrscheinlich wurden diese 
zuerst befestigt und wurde dann die ganze Fläche mit Einschluss 
der gefärbten Hieroglyphen mit einem gemeinsamen Firniss über- 
zogen. Eine Analyse dieser zum Theil durchsichtigen Steinglasuren 
ist meines Wissens noch nicht gemacht worden. Ich hege die Ver- 
muthung diese ägyptischen Steinüberzüge seien gleich den assy- 
rischen Schutzdecken der Felseninschriften leichtHüssiges Glas, 
Wasserglas, oder irgend eine ähnliche Kieselverbindung. 
In dem von Minutoli geöffneten Innern der grossen Pyramide 
von Saqära haben sich die Spuren einer sehr merkwürdigen In- 
krustation der Wände gefunden, die mit der früher erwähnten 
altchaldäischen Fayencebekleidung die grösste Aehnlichkeit hat. 
Eine Grabkammer ist nämlich mit konvexen Cylinderabschnitten 
aus fayencirtem Bimstein (oder einer unschmelzbaren Kapselerde) 
inkrustirt, und zwar sind die Stücke so verbunden, dass der Raum 
wie mit dicht aneinander gereihten flachen Wandsäulen um- 
schlossen erscheint. Die Glasur ist grünlich blau und glashart, 
(wahrscheinlich opak und also zinnhaltig); anders gefärbte Strei- 
fen ziehen sich in Zwischenräumen horizontal über die geriefte 
1 De 1a Roziäre anciennes exploitations de Granite in der Description 
d'Egypte. Bd. 3, Seite 461. 
2 Z. B. die grünen und blauen Glasuren des Syenitsarkophages Rhamses 111, 
(20. Dynastie) in dem unteren ägyptischen Saale des Louvre.
        

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