Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671855
Kunst. 
Textila 
Aegypten. 
Altes 
und neues Reich. 
409 
chen wurden hierauf spiegelgleich polirt und mit skulptirten Hiero- 
glypheninschriften überdeckt. An der zweiten grossen Pyramide 
von Gizeh, der des Chafra, hat sich zunächst der Spitze ein 
Stück dieser Bekleidung erhalten; Bruchstücke derselben Art 
fand man an den Füssen der andern. Durch Herodot und an- 
dere alte Schriftsteller erfahren wir, alle Pyramiden seien auf 
gleiche Weise zum Theil mit polirtem Granite bekleidet und mit 
Inschriften bedeckt gewesen; durch die arabischen Schriftsteller 
des Mittelalters finden sich ihre Aussagen in Betreff dieses Punktes 
bestätigt, sie melden dass nach der Eroberung Aegyptens durch 
die Araber von diesen die unter der Decke versteckten Grab- 
kammern erbrochen und geplündert und die Steine der Beklei- 
dung zu andern Zwecken abgetragen wurden.  Angesichts aller 
dieser sichern Daten wollen dennoch einige, z. B. Champollion 
Figeac, die Thatsache dieser Inkrustation des Steinkernes in 
Zweifel ziehen oder entschieden in Abrede stellen. Dagegen 
möchte ich diese Inkrustation gerade für das Wesentlichste, so zu 
sagen für das Motiv des ganzen Steinbaues und die Verwendung 
der Platten aus Syenit und rosenrothem Granit zu der Bekleidung 
der (ältesten) Pyramiden aus ungebrannten Nilziegeln für den An- 
fang der Steinkonstruktion in dem am frühesten kultivirten Delta 
des Niles halten; für älter als den Quaderbau, der erst später der 
Solidität wegen die Stelle des Ziegelfüllwerkes zu vertreten hatte. 
Letzteres, sowie das spätere Quaderwerk, sind nur die Träger der 
vier kolossalen Spruchtafeln aus hartem Steine, welche die Thaten 
des Stifters in alle vier Himmelsgegenden und zu allen Jahrhun- 
derten verkünden sollen. In der That ist die Pyramidenform für 
diesen Zweck mathematisch nachweislich die beste und solideste. 
So erklärt sich die Erscheinung dass die ältesten Steinmonu- 
mente Aegyptens, die des steinlosen Delta, aus äthiopischem 
Granit oder Syenit und nicht aus dem nahen Kalkstein oder aus 
Sandstein erbaut waren. In dem königl. Theben ist der älteste, 
wahrscheinlich zuerst durch die Hyksos, sodann durch Kambyses 
zerstörte, Theil des Reichstempels von Karnak, die Stiftung des 
Gründers der ersten Thebaischen Dynastie Sosertesen I., ein 
Granitb au; in der That der einzige zusammenhängende Tempel- 
ruin aus den Zeiten des alten Reichs, (etwa 2700 J. v. Chr.,) 
dessen Granitbekleidungen jedoch zum Theil unter makedonischer 
Herrschaft, von Arrhidäos, erneuert oder vervollständigt wurden. 
Scmper. 52
        

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