Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671799
Textile 
Kunst. 
Phönikien 
und 
Judäa. 
403 
Holz g etäfelt und in Folge dessen mit reichem Goldschmuck ge_ 
ziert war. (1. Reg. 6, 29-30; Chron". II. 3,   Nicht an- 
ders als auf die äusseren Getäfel der Wände bezüglich verstehe 
ich ferner die bekannte oft wiederholte Notiz von den Mauern 
der Höfe und Paläste: „Die Grundveste waren köstliche und grosse 
Steine, zehn und acht Ellen gross, und darauf köstliche gehauene 
"Steine, nach dem Winkeleisen und Cedern. Aber der grosse 
"Hof (Peribolos) umher hatte drei Reihen gehauene Steine und  
"eine Reihe von Cedernbrettern. Also auch der Hof am Hause 
„des Herrn inwendig und die Halle am Hause." (1. Reg. 7, 10. 
11. 12.) Ferner: „Und er baute auch einen Hof darinnen von 
„einer Reihe gehobelter Cedern." (l. Reg. 6, 36.) Nämlich das 
Getäfel war bis zu einer gewissen Höhe von Stein, darüber aber 
{ing die Holzbekleidung an. Gerade das gleiche Konstruktions- 
prinzip, was wir jetzt so deutlich an den assyrischen Werken 
und den persischen Palästen erkennen. Josephus bezeichnet dieses 
Mauerwerk, indem er von dem inneren Peribolos des Tempels 
spricht, dessen Schwelle kein Fremder bei Todesstrafe überschrei- 
ten du-rfte, als eine steinerne Ümhegung (äbumv Müwov ÄQüqJax-rov). 1 
Mag übrigens gestattet sein, die positiven Versicherungen 
des Josephus und anderer Schriftsteller aus späterer Zeit in 
Betreff des äusseren Tempelschmuckes in Zweifel zu stellen, 
so darf ein Geschichtschreiber der Baukunst sie dennoch nicht 
ganz ignoriren wollen;2 denn sie sind das einzige was über- 
haupt darüber sich erhielt, wenn man die oben schon erwähnten 
Andeutungen des alten Testaments, die darauf Bezug haben kön- 
nen, ausnimmt, und ganz für sich betrachtet, nur als Ausdruck 
einer zu Josephus Zeiten herrschenden Vorstellung über den Stil 
Salomons, von mehrfachem stilgeschichtlichem Interesse. Auch 
ersieht man aus dieser Mittheilung des Josephus deutlich, was 
beim Pausanias und andern Schriftstellern weniger klar hervor- 
tritt, dass die Alten bei Beschreibung von Monumenten den 
weissen Marmor und seine tretfliche Bearbeitung, sowie überhaupt 
die angewandten Stoffe und Weisen der Ausführung zu erwähnen 
für angemessen hielten, wenn diese Stoffe auch äusserlich 
1 Man übersetze in allen bezüglichen Stellen der Bibel und des Josephus 
für Reihen Friese, so werden sie verständlieher. 
2 Vergl. Kugler, Geschichte der Baukunst, Bd. 1, S. 125 etc., wo auf die 
Havischen Nachrichten über den Tempelbau gar keine Rücksicht genommen wird.
        

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