Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671765
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Hauptstück. 
Viertes 
kung der Masse mit Schutt ausgefüllt, mit Ausnahme einiger von 
ihnen, die als gewölbte unterirdische Passagen oder zu anderen 
Zwecken offen blieben. Diess lesen wir aus ihren Beschreibungen 
heraus und so zeigt es sich an dem von Reisenden genauer unter- 
suchten Unterbau von Balbek. Das Ganze bildet ein sogenanntes 
Kästelgemäuer. Das eigentliche Mauerwerk dient nämlich nur 
zur Bekleidung und zur Vertheilung des Drucks der Erdmassen, 
die den Hauptbestandtheil der nmoles" bilden; eine traditionelle 
Konstruktionsmethode altasiatischen Ursprungs welche die Römer, 
als die treuen Wahrer und Wiederhersteller asiatischer Tech_ 
nik, bei ihren Quaderwerken stets befolgten. Vitruv beschreibt 
dieselbe ausführlich im fünften Kapitel des ersten Buchs und 
hebt deren Vortheile hervor. Wir erkennen sie wieder an allen 
anscheinend aus dem solidesten Quaderwerke ausgeführten römi- 
sehen Mauermassen, die, zum grössten Theile ihrer einstigen Werk- 
steinbekleidung beraubt, nur noch aus dem zurückgebliebenen 
Füllwerke bestehen. Besonders zugänglich, wohl erhalten und 
desshalb für das Gesagte belehrend sind die syringenartig ange- 
legten vielleicht noch pisistratidischen Substruktionen des später 
von Hadrian erneuerten athenischen Jupitertempels, in deren ge- 
gewölbte favissae (Syringen, pfeifenartige Gänge) ich tief vorge- 
drungen bin, ohne ihr Ende zu erreichen. Ganz ähnliche Unter- 
baue zeigt der grossartige von Texier mitgetheilte Tempel zu 
Aisani in Kleinasien, die man auch in Mesopotamien und Persien, 
zum Theil aus persischer und sassanidischer Zeit stammend, noch 
grossentheils Wohlerhalten, antrifft, während alles was sie zu tra- 
gen bestimmt waren lange nicht mehr existirt. 1 
That kein anderes Volk des Alterthums es den Phönikiern 
gleich in der Aufführung mächtiger Bollwerke und Wasserbauten 
so Waren sie zugleich berühmt in allen Fächern der auf das 
praktische Leben und den Luxus angewandten Künste, vorzüg- 
lich der Stoffbereitung, der Färberei, der Holz-, Elfenbein- und 
Metallarbeit,  aber wir würden uns nur sehr allgemeine BegriEe 
über die Art ihrer Bethätigung in diesen technischen Künsten ver- 
schaifen können, (obschon genaue Beschreibungen derselben in 
den bekannten biblischen Berichten über die Bauten des Königes 
Salomo und den Luxus im Hausrathe, den die Israeliten von ihren 
üppigen Nachbarn entlehnten, vorhanden sind,) würden wir nicht 
1 Texier Asie mineure. Coste et Flnndin Voyage en Perse, pl. 230.
        

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