Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671745
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Hauptstück. 
Viertes 
zeigt sich das System der Steinplattenkonstruktion, welches zu 
Ninive in durchgebildeter Weise geübt wurde, in seiner rohesten 
Anwendung. Ich habe keins von diesen merkwürdigen Bauwerken 
selbst gesehen und nach den davon -bekannt gewordenen Dar- 
stellungen ist es schwer eine Idee über sie zu fassen; doch 
möchte ich dieselben fast mit gewissen bereits erwähnten Stein- 
monumenten auf der Insel Ceylon und sonst in Indien in Be- 
Ziehung setzen, insofern man nämlich von letzteren weiss, dass 
sie die rohen Kerne langst verschwundener sehr raifinirter Stuck- 
arehitekturen waren. Denke man sich das von einem berühmten 
Bildhauer unserer Zeit ausgeführte Modell eines Kolosses ver- 
graben und nach Jahrtausenden wieder zu Tage gefördert, sQ 
wird das Eisenskelett dieser Figur eben denselben Begriff der 
plastischen Kunst unserer Tage geben den jene plumpen Stein- 
konstruktionen uns von dem Baustile ihrer Erbauer verschaffen. 
Eine andere Gattung von Denkmälern, die Nuraghen Sardiniens 
und die Talajots auf den Balearen, wird gleichfalls den Phönikiern 
zugeschrieben. Ist dieses begründet so müssen letztere mittler- 
weile den Stil ihrer Baukunst gewaltig verändert haben, denn jene 
Tholi haben mit den obengenannten Werken weder in der räum- 
lichen Idee noch in der Art der Ausführung die mindeste Aehn- 
liehkeit. 
Es sind kreisrunde und zum Theil ovale Gebäude, die 
konisch zulaufen und oben eine Plattform haben; ihre Kon- 
struktion besteht aus sehr starkem, ohne Mörtel ausgeführtem, 
Quaderwerke, das in ringförmigen Schichten einen inneren Raum 
umschliesst, indem die obere Schicht jedesmal die untere nach 
Innen zu in Etwas überkragt. Gewundene Treppen sind in den 
starken Mauern angebracht und führen auf die Plattform und in 
die oberen Gemächer; denn verschiedene dieser Kegelbauten 
haben im Innern doppelte und mehrere Etagen übereinander. 
Dieselben oder ganz ähnliche Monumente finden sich bekannt- 
lich noch auf dem klassischen Boden von Hellas, sie spielen eine 
wichtige Rolle in den ältesten Mythen und Sagen der Hellenen, 
sind daher sicher vorhellenischen Ursprungs; auch in Italien 
findet man Spuren ähnlicher Bauten, besonders auf dem Gebiete 
der etruskischen Stadt Volaterra, und älteste Geschichten, zum 
Beispiele der mystische Ursprung des Namens der römischen 
Akropolis, die nach einem dort aufgefundenen Tholus, dem ein
        

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