Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671668
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Hauptstück. 
Viertes 
wickelt sich daran in höchst bemerkenswerther Weise, sozusagen 
von Innen nach Aussen, das heisst, was früher den Halt der 
Struktur gab und dem das metallene Kleid wenig mehr als 
Schmuck war, der hölzerne Kern nämlich, überträgt seine 
Fhlnktionen an die umgebende Schale und verschwindet; letztere 
vereinigt in sich beides, das struktive und das formale hdoment! 
So werden "Strukturschema" und "Kunstschema" 1 iden- 
tificirt und der organische Gedanke, der in Helles 
seine ideale Anwendung in der Baukunst erhält, ist 
hier schon in realer Weise ausgesprochen. Alles ist 
fertig, es fehlt nichts als der belebende Prometheusfunken! 
Ich würde nicht so lange bei der Kunst und speziell bei dem 
Geräthewesen der Assyrier verweilt sein wäre nicht der ge- 
naueste Zusammenhang des letzteren mit der Säulenordnung, wie 
sie sich bei diesem Volke entwickelte, erwiesen, und wäre ich nieht 
überhaupt von der Wichtigkeit der Aufschlüsse, die uns die jetzt 
erst entdeckten Alterthümer Mesopotamiens in Beziehung auf all- 
gemeine Stiltheorie gewähren, überzeugt. 
Die Existenz der Säulen, ja vollständig durchgebildeter Säulen- 
ordonnanzen, in der assyrischen Baukunst ist erwiesen, obschon 
von ihnen nur einzelne Bruchstücke sich erhielten, die aber hin- 
reichen um meine Behauptung dass sie nach dem Vorbilde der 
assyrischen Geräthe auf ihrem Entwieklungsgange aus dem 
vollkernigen Holzstile in den tubulären Metallstil 
übergingen zu bestätigen, wobei es am Ende nicht gerade 
wesentlich ist genau zu wissen welchen Punkt sie auf dieser 
Richtung erreichten und bis zu welchem Grade sich die bezeich- 
nete Metamorphose bei ihnen realisirte. 
Die aufgefundenen Säulenbruchstücke, sämmtlich aus Bronze, 
sind identisch mit Bestandtheilen der Säulen von Perse. 
polis ; 2 nur das frappante Motiv des Gabelkapitäls , das so 
1 Der Unterschied zwischen meiner Anschauung der griechischen Tek- 
tonik und derjenigen die Herr Prof. Bötticher in seinen Hellenicis erkennen 
lässt ist hier ausgesprochen. Ich werde Gelegenheit haben, das hier Auge- 
deutete zu motiviren. 
2 Im Athenäus (XII, cap. 8) wird der Thron des Perserköniges beschrie- 
ben. Der Thron worauf er Gericht hielt war golden; ihn umstanden viel. 
goldene mit Edelsteinen besetzte Säulen, über welchen ein buntgestiekger 
Pllfpurbaldachin ausgespannt war. Das zu Seite 236 gegebene Detail eihßs 
Kapitäls gehörto aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer solchen Baldachinsäule
        

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