Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671538
Kunst. 
Textile 
Assyrien. 
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zur Kunst ausgebildete, Entarso gelten müsse, woran sich dann 
noch diewichtige Frage über das Verhalten des Reliefs zu beiden 
genannten Methoden der Fläehendekoration knüpft,  alles für 
die Stiltheorie sehr wichtige Zweifel, denen wir überall begegnen, 
wo wir auf Spuren früher Kunstbethätigung treffen. 
Möge ihre Lösung ausfallen wie sie wolle, so bleibt gewiss 
dass für die Baukunst das zuerst genannte Verfahren des Be- 
kleidens der Gezimmer durch Metall dasjenige sei das wegen 
seiner frühen Anwendung in jener Kunst und der wichtigen Fol- 
gen, die daraus für sie erwuchsen, unsere Berücksichtigung zuerst 
oder am meisten in Anspruch nehmen müsse. In der That ging 
aus ihm der Kanon, das Organen-der klassischen Baukunst 
hervor. 
Die dekorativen Details an den Möbeln der Assyrier, die in 
dieser Beziehung das Gepräge grosser Ursprünglichkeit tragen, sind 
dreifacher Entstehung. Sie haben erstens einen rein technischen 
Ursprung, d. h. sie gehen aus den Prozessen hervor, die bei ihrer 
Verfertigung angewandt wurden. Zweitens sind sie utilitarischer 
Entstehung, beziehen sie sich auf die Nutzung des Ganzen, oder 
auf die Dienste die jeder Theil leistet indem er mit anderen 
Theilen desselben Systems, die anders fungiren, zusammenwirkt. 
Drittens endlich sindeinige von ihnen tendenziöser und symboli- 
scher Bedeutung. 
Diese letzteren tendenziös symbolischen Formen treten fast 
niemals rein als solche und für sich allein auf, Sondern haben 
beinahe immer gleichzeitig einen technischen oder einen utilitari- 
sehen Nebensinn, der oft sogar zu der Hauptidee sich erhebt. 
Es ist gerade der assyrische Stil für die Theorie der Kunstformen 
so äusserst Wichtig und interessant, Weil die Symbole hier noch 
durchaus ihren tendenziösen Sinn behielten, dabei aber zugleich 
mit grossem Geschicke und bewusstem Thun von den assyrischen 
Meistern stmktiv-symbolisch oder in utilitarischer Bedeutung be- 
nützt wurden.  
 Was nun die zuerst erwähnten technischen Elemente der 
Form betriHt so sind sie bei den genannten Gegenständen, wie 
bereits angeführt wurde, wohl beinahe ausschliesslich aus derjeni- 
gen Kunst in Metall zu arbeiten die ich Empaistik nannte und 
bereits hinreichend bezeichnet habe abgeleitet: Zuerst volle un- 
Semper. 48
        

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