Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671495
Kunst. 
Textile 
Assyrien 
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betrachten. In dieser Verbindung wird sie uns in ihrem Wesen 
und in ihren Theilen verständlicher werden, wird sie zugleich 
die Veranlasssung zu einigen nicht unwichtigen allgemein stil- 
theoretistzhen Bemerkungen Anlass geben. 
Die Tische, Throne, Stühle, Schemel, Baldachine und sonstigen 
Geräthe sind Gezimmer, (pegmata) die aus denselben Elementen 
bestehen welche bei dem grösseren Pegma des Gebalkes, das die 
Decke eines Raumes zu tragen hat, mit seiner Säulenunterstützung 
in Anwendung kommen. Die beiden Funktionen des Stützens 
und des Tragens sind bei beiden auf die einfachste Weise durch 
vertikale Ständer und horizontale Pfosten oder Balken vertreten. 
Die Deckengerüste sind gleichsam Möbel, die in dem Hofe auf- 
gerichtet sind, der in jedem Corps de batiment einer assyrischen 
Palastanlage den Mittelpunkt der Beziehungen aller anderen Theile 
des ersteren bildet. Oft ist dieses Pegma wirkliches Möbel, 
oder nahezu solches, und hat nur ein leichtes aus gewebten Stoffen 
bestehendes Zeltdach zu tragen, wie wir diess aus bestimmten 
Nachrichten im alten Testament und sogar, wenn man der Aus- 
legung Rawlinsons trauen darf, aus Keilinschriften wissen. Aber 
auch die feste aus gefügten Tafeln und untergelegten Balken be- 
stehende Decke behält mit ihrer Säulenordnung etwas Selbstän- 
diges, steht als freitragendes Pegma innerhalb der Halle, ohne 
mit dem Mauerwerke das diese umgibt im Mindesten verbunden 
zu sein, ohne dass letzteres, der Stilidee nach, eine Unterstützung 
für die von ihm ganz unabhängige Decke bilde. 
Da der Möbelluxus sicher älter als der architektonische Auf- 
wand der Deekengezimmer ist erkenne ich überhaupt in dem Haus- 
geräthe oder vielmehr dem gezimmerten Möbel den Typus des letz- 
teren. Diese Hypothese, oder vielmehr diese Thatsache, ist zuerst 
in Beziehung auf den Ausdruck und die Form des allgemeinen struk- 
tiven Gedankens der dem antiken Deckensysteme inneliegt, und 
zugleich in Beziehung auf den architektonischen Ausdruck der 
nach antiker Auffassung der Mauer zukommt, die von dem ersteren 
sich unabhängig halt, äusserst folgewichtig,  aber ich verfolge 
sie hier nach dieser Richtung hin nicht weiter, weil diess mehr 
in den Abschnitt der Tektonik gehört. Sie führt uns aber auch 
dahin in den dekorativen Details und den Verhältnissen der 
assyrischen Möbel die Vorbilder und Ausgänge derjenigen Kunst- 
formen und Verhältnisse zu suchen welche die Assyrier auf ihre
        

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