Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671428
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Viertes 
Hauptstück. 
einer relativen Spätperiode der Kunst angehört. Jenes ältere Prin- 
zip beruht ganz einfach darauf den aus Brettern kunstlos zusam- 
mengefügten Thorllügel durch Ueberkleidung mit Metallblech, das 
mit Nieten und Nägeln auf das Holz befestigt ist, zu verstärken, 
vielleicht eine der ältesten Anwendungen der Empaistik für 
bauliche Zwecke; das andere ist entschieden der Kunst entnom- 
men, durch geschicktes Zusammenfügen kleinerer Bretterstücke 
ein mehr oder Weniger komplicirtes System der Holzkonstruktion 
zu bilden, welches den Eigenschaften dieses Materiales sich zu 
werfen und windschief zu werden, sowie zusammenzutrocknen, be- 
gegnet und ihre nachtheiligen Wirkungen beseitigt. Man mochte 
auch diese nicht mehr flachen, sondern aus Füllwerk und Rahmen- 
Werk zusammengesetzten Tischlerarbeiten nach der alten Ueber- 
lieferung mit ltletallblech bekleiden, das dann als sichtbares Ge- 
wand der inneren Konstruktion natürlich von dieser in seinen 
Lineamenten und Reliefs bedungen ward. Die Grundzüge der Oma- 
mentation der metallischen Bekleidung waren solcherweise gegeben 
und wurden als neues fruchtbares Motiv der Verzierung festgehal- 
ten, aber zugleich nach verschiedenen Richtungen hin Weitergebildet. 
Zugleich kam diese Abwechslung destErhabenen und Vertieften 
der Oberfläche der Festigkeit und Rigidität des Metallmantels zu 
Gute, welches erkannt wurde und worauf man ein neues sehr 
folgewichtiges Prinzip der Konstruktion begründete, 
Welches uns in dem Folgenden noch vielfach beschäftigen wird, 
Man verüel nämlich darauf, nicht mehr den bekleideten höl- 
zernen Kern, sondern dessen metallischen Mantel als dasjenige 
zu betrachten was dem Systeme die nöthige Festigkeit gebe und 
gelangte somit wahrscheinlich auf rein empirischem Wege, bereits 
zu einer Zeit die weit über die frühesten monumentalen und ge- 
schriebenen Urkunden der Kunsthistorie hinausreicht, zu der An- 
wendung des so wichtigen Prinzipes der Hohlkörperkonstruktion 
und der Korrugationsmethode in der Baukunst, die darauf be- 
gründet ist, dass geschweifte und, gefältelte Bleche, die einen 
Raum von angemessener stereometrischer Gestaltung als Enve- 
loppe umgeben, bei geringstem Aufwande des Stoiflichen die 
grösste Festigkeit und Stabilität sichern. 
Oder sollten jene sinnreichen Nachkommen des alten Thubal- 
kain "die Meister in allerhand Erz- und Eisenwerk" 1 bereits tief 
1 1, Mos. 4, 22.
        

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