Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671397
Textile 
Kunst. 
Assyrien. 
363 
tionen aus gebrannten Ziegeln in Chaldäa, wo der Stein fehlt 
und die Inkrustation aus Stuck und Mörtel besteht. 
Wie erklärt sich nun das theilweise Verschwinden der poly- 
chromen Glasur oder Malerei, die unfehlbar auch die unteren 
steinernen Wandbekleidungen bedeckten? Layard hat den Grund 
davon richtig geahnt: „es seien den Assyriern neben metallischen 
"und erdigen Substanzen auch die Pfianzenfarben bekannt ge- 
„Wesen, die sie sogar beim Malen der Skulpturen gebraucht 
"haben möchten. Die heutigen Kurden seien noch sehr geschickte 
„Schönfärber die aus Blumen und Kräutern Farben der schön- 
„sten Art, besonders Roth, und Grün zu bereiten wüssten, welche 
"sogar der Scharfsinn des Europäers von gleicher Güte hervor- 
"zubringen nicht im Stande sei. Die Art die Farben auszuziehen 
„sei keine neue Entdeckung, sondern uralt, wie wir aus der häu- 
"figen Erwähnung der babylonischen und parthischen Farben er- 
"sähen. Die Teppiche aus Kurdistan hätten noch heute an Schön- 
„heit ihres Gewebes, an Farbenpracht und Glanz nicht ihres 
„Gleichen. Aus den Ornamenten. der Kleider der assyrischen 
"Figuren könne man schliessen dass ähnliche Farben sowohl 
"zum Färben des Kleides selbst als" auch der Fäden, aus denen 
"der Stoff dazu gewebt wurde, dienten."  
Die beiden einander entgegengesetzten Prinzipe des Kolo- 
rirens, nämlich das Malen und das Färben wurden in frühester 
Zeit in der Baukunst kombinirt, und diese vermischte An- 
wendung der transparenten den Körper zum Theil durchdringen- 
den Beitze, die ohne substantielles Medium aufgetragen und oft 
aus Pilanzensäften bereitet ward, mit deckenden, opaken, erdigen 
oder metallischen Farbenüberzügen, deren Applikation nach ganz 
andern Prinzipien erfolgte, bildet ein besonders wichtiges tech- 
nisches Moment in der Polychromatik der Alten, ohne dessen 
Berücksichtigung letztere in ihren verloschenen und vereinzelten 
Spuren für uns durchaus unverständlich bleiben muss. Ein Com- 
promiss zwischen der Lasur oder Beitze und der körperlich um- 
hüllenden und schützenden Farbendecke, eine Erfindung die beider 
Eigenschaften und beider Vorzüge in sich vereinigt, ist das 
Email, das nur auf enkaustischem Wege ausführbar ist und, wie 
das Glas und die Glasur, zu den frühesten Erfindungen der 
Menschen gehört. Ihr gegenüber erklärte ich aus guten Gründen 
bereits oben die Wachsenkausis für eine Art von abgekürzter und
        

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