Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671383
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Viertes 
Hauptstück. 
Musste nicht schon die leichte Zersetzbarkeit des Alabasters, 
der, im frischen Bruche Weiss, der Luft exponirt bald einen 
dunkelgrauen hässlichen Ton annimmt , Anlass sein ihn mit 
einem Ueberzuge zu schützen, da wir hören dass selbst die 
Reliefs und Inschriften der Felswände von den assyrischen 
Bildnern mit kieselhaltigem Firniss, also mit Wasserglas, über- 
zogen wurden, um sie vor Verwitterung zu schützen und zu- 
gleich von Ferne sichtbarer und lesbarer zu machen, da wir 
wissen dass selbst das Gold, Welches für dekorative Zwecke stark 
mit Kupfer legirt sein mochte, mit resinösen Lasuren und durch- 
sichtigen Farben überzogen wurden um seinen Glanz zu mässigen 
und den Umständen gemäss zu reguliren, zugleich aber um dessen 
Kupfergehalt vor der Oxydation zu schützen. 
Doch sehe ich die Sache von einer andern minder utilitari- 
sehen Seite an und glaube in diesem angeblich schützenden Ueber- 
zuge der Skulptur vielmehr das Wesen, in dem skulptirten 
Steine nur das „B ody" der sichtbar realisirten Kunstidee zu 
erkennen. Nicht weil der Alabaster mürbc ist und leicht ver- 
wittert überzog man ihn mit Farben, sondern vielmehr weil die 
Skulpturen jedenfalls mit der herkommlichen Enkausis oder Far- 
beninkrustation zu bedecken waren, berücksichtigte man bei der 
Wahl des Stoffes nicht dessen Luftbeständigkeit und Festigkeit 
sondern vielmehr dessen durchsichtiges mildes Weiss, das, wenn 
unter einem transparenten Laeküberzuge geschützt, sich lange 
hält und einen günstigen Grund für Lasurfarben bildet, vornehm- 
lieh aber die Zartheit und Weiche seiner Textur, die dem Bild- 
hauer angenehme und bequemeArbeit gestattet. 
Noch deutlicher tritt diessVerhältniss zwischen der Bekleidung 
und dem Bekleideten an dem assyrischen Mauerwerk selbst 
heraus; denn man nahm offenbar nur Luftziegel für die Mauern, 
weil diese doch bekleidet werden sollten, und es nicht auf 
Festigkeit des gewählten Stoffes gegen atmosphärische Ein- 
fiüsse ankam, da er diesen gar nicht ausgesetzt werden sollte. 
Die entgegengesetzte Anschauung der Sache, als sei die In- 
krustation ein Schutzmittel für den Erdwall ist nicht stillogisch. 
Daher das Vorherrschen der Luftziegelmauern in späterer assyri- 
scher Zeit, wie man festere Stoffe zu den Inkrustationen benützte, 
und dem gegenüber das häufigere Antreffen urältester Konstruk-
        

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