Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671376
Kunst. 
Textile 
Assyrien. 
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mit Lackfarben und zum Theil mit Deckfarben übermalt gewesen 
sein mochte, nach einem Prozesse der selbst noch bei dem olym- 
pischen Jupiter des Phidias und wahrscheinlich allgemein im 
ganzen Alterthume Anwendung fand. 
Bei der Menge der Ueberreste von Malerei an den etwas 
älteren Skulpturen von Chorsabad ist es auffallend dass zu Kud- 
jundshik fast gar keine lilarbenspuren aufgefunden wurden. Viel- 
leicht hatte die Technik der Malerei sich seit der Erbauung des 
Monumentes zu Chorsabad verändert, vielleicht wurden die Far- 
ben durch die Gluth der Feuersbrunst welche die Paläste von 
Kudjundshik zerstörte bis auf die letzte Spur vertilgt, vielleicht 
trat diese Zerstörung früher ein, ehe die Malerei gewisser Theile 
des Baues vollendet war; vielleicht endlich, und diess ist das 
wahrscheinlichste, schenkten Layard und die anderen Reisenden 
die diesen Bau untersuchten den Ueberresten der Malerei, die 
sich bei sorgfältiger Prüfung noch gefunden haben würden, zu 
wenig Aufmerksamkeit und ist in dieser Beziehung auf ihre Mit- 
theilungen wenig Verlass. 
In einer Notiz 1 über den Palast des Assur-bani-pal, des letz- 
_ten assyrischen Königes, wird nachdrücklich erklärt dass, mit 
Ausnahme einiger wenigen roth bemalten Details, die Alabaster- 
tafeln so frei von Farbe blieben als wie sie es waren bevor eine 
Linie auf ihnen gezeichnet oder skulptirt wurde, mit dem Hin- 
zufügen dass die Assyrier nicht solche Barbaren waren wie der 
Krystallpalasthof uns glauben machen könnte.  Bei aller Bei- 
stimmung zu diesem zuletzt ausgesprochenen Urtheile über die 
Restitution der assyrischen Königshalle von F ergusson, muss ich 
doch zugleich nach der entgegengesetzten Seite hin den Gesehmael; 
selbst der entarteten Assyrier am Rande ihres Ünterganges in 
Schutz nehmen, indem ich behaupte dass es niemals Absicht sein 
konnte an einer chimärischen Figur mit Löwenhaupt, geiiedertem 
Adlershals und Krallen alles übrige sammt dem 'Grunde aus 
welchem die Figur sich plastisch erhob in schmutzig grauer 
Alabasterfarbe zu belassen und nur die Federn des Halses, die 
Klauen und die Augenlieder des Ungeheuers roth anzustreichen. 
Letzteres wäre beinahe so monströs wie Kuglers polyehrem 
restaurirter Parthenon, und könnte nur in dem Gehirne eines 
Kunstgelehrten existiren. 
1 Illustrated London News Nov. 15. 1856. 
Semper.
        

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