Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671355
Textile Kunst. 
Assyriän. 
359" 
Rangordnung und despotischer Hofetikette) zeigt sich diese Kunst 
hier gefesselt, aber nicht zur Mumie einbalsamirt und so 
gänzlich versteinert wie in Aegyptßn, WO Sie Wßbl berechneten 
und unabänderlichen hieratischen Satzungen gehorchen musste. 
Daher ist jene zwar gleichsam wie mit einem imsichtbaren 
Kanevas umstrickt und in ihrer freien Entwicklung iiusserlich ge- 
hemmt, vom Stickrahmen beengt, aber bei alledem das Naturß 
wahre erstrebend und nach Freiheit ringend; diese dagegen ist 
nicht durch materiellen äusseren sondern durch geistigen inneren 
Zwang gebunden und hält sich freiwillig innerhalb derjenigen 
Schranken, die sie in technischem Sinne längst überwand. 
Bei aller Ungeschicktheit und Steifheit stellen jene assyrischen 
Gestalten doch wenigstens sich selbst dar, geben sie das mehr 
oder weniger gelungene Bild einer Handlung oder einer Situation, 
sind sie nicht, wie die ägyptischen Bilder, kalligraphische Zeichen, 
konventionelle Formeln einer lapidarischen Urkundenschrift, ge- 
malte Chronik. Dort zeugen hartausgedrücktes Muskelwerk, wie 
mit Zwirnfäden umzogene Kontouren, Vorherrschen des ornamen- 
talen Beiwerkes und der gestickten Gewänder sowie manches- 
andere von dem technischen Ursprunge der Kunst aus der Textrin, 
von primitiver unbeholfener Auffassung und von kindlicher 
Uebertreibung, aber nicht von todter Manier; letztere herrscht 
dagegen in dem ägyptischen Stile und zwar vorzüglich in dem 
Stile der Skulptur und Malerei der Tempel und grossartigen 
Palastanlagen, der sich sofort durch diesen Umstand allein, nicht 
als ein primitiver, sondern vielmehr als ein raffinirter und 
später ausweist, mögen auch die Werke an denen er hervortritt 
an geschichtlichem Alter zu den frühesten gehören deren Spuren 
sich erhielten und um ganze Jahrtausende über die ältesten Werke 
Assyriens hinausragen.  
In Betreff der Polychromie des assyrischen Basreliefs herrschen 
Meinungsverschiedenheiten und Zweifel, die schwerlich jemals 
ganz beseitigt werden können. Meiner Ueberzeugung nach muss- 
ten die Alabastertafeln wie ihre Vorbilder die ausgespannten 
Teppiche, mit denen bei gewissen Festen die unteren Theile der 
ausserdem mit Malerei oder Boiserie bekleideten Wände umstellt 
wurden, in reicher Farbenpracht dem allgemeinen Charakter der 
asiatischen Baukunst entsprechen, deren polychromer Reichthum 
von den klassischen Schriftstellern gerade vorzugsweise und wie-
        

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