Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671334
Textile Kunst. 
Assyrien. 
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vom _Feuer roth gebrannten Kruste des sonst roh gebliebenen 
Ziegels hervorgeht.  
Der Anblick dieser halb gebrannten halb rohen Ziegel und 
der entschieden an ihnen hervortretende Zweck des Brennens, 
der kein anderer war als die Glasurfarbe zu fixiren, führte mich 
auf eine eigene Vermuthung in Beziehung auf Ziegelbrennerei 
und Backziegelkonstruktion, die ich übrigens nur als solche, näm- 
lich als Hypothese die des weiteren Nachweises bedarf, mittheile. 
Sollte nicht die Bemalung irdener ungebrannter Gefasse und 
dadurch mehr oder weniger erreichte Undurchdringlichkeit der 
letzteren für Flüssigkeiten eine ältere Erfindung sein als das 
Brennen der Erdwaaren? Sollte dieses Brennen nicht etwa zuerst 
keinen anderen Zweck gehabt haben, als den, die ursprünglichen 
Farbeninkrustation besser und bleibender zu iixiren als diese 
durch andere Mittel geschehen konnte, kurz, sollte die Malerei 
der Lehmflächen und die Enkausis derselben nicht den ersten 
Ausgangspunkt der Kunst Thon durch Feuer in Stein zu ver- 
wandeln und ihn, nachdem diese Metamorphose mit ihm verging, 
zu Konstruktionen zu verwenden bezeichnen? So würden die 
enkaustisch bemalten und nur ganz oberflächlich gebrannten In- 
krustationen der Wände Ninivds und Babylons in stilgeschicht- 
licher Beziehung als Vorläufer der soliden Konstruktionen aus 
gebrannten Ziegeln in gleicher Linie stehen mit jenen die un- 
teren Theile und die Terrassen der altasiatischen Werke beklei- 
denden Steinplatten, die gleichfalls die Bildung des massiven 
Quaderwerkes, das nur durch allmähligen Fortschritt erfunden 
ward, vorbereiten und zuerst veranlassen. Die Entwicklungs- 
geschichte dieser späteren Konstruktionsweise gehört in die Para- 
graphen über Stereotomie, woselbst das Weitere darüber zu 
iinden sein wird.1 Indessen sind die erwähnten Lambris aus 
Stein, womit man, wie wir wissen, an einigen Stellen die untersten 
Theile der äusseren und inneren Wandflächen bedeckte, als solche 
hier allerdings noch näher zu berücksichtigen. Wie bereits bemerkt 
wurde, war dieses nur in Ninive und den steinhaltigen Gegen- 
den des nördlichen Mesopotamien, Armenien etc., nicht aber in 
1 Es ist diess wieder einer der Fälle, wo das scheinbar Dienende und 
Accessorische bei besserer Prüfung das Prinzip der Entstehung einer nach einer 
ganz anderen Seite hin wachsenden und sich entwickelnden Idee enthält.
        

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