Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671322
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Hauptstück. 
Viertes 
wurden geben den chemischen Gehalt der Farben, aber die in- 
teressante Frage über die technischen Prozesse die in Anwendung 
kamen liess man dabei noch unberücksichtigt. Untersuchungen der 
ninivitischen Glasurfarben, glaube ich, fehlen noch; dagegen haben 
Dr. Percy und Sir Henry De la Beche, die Vorsteher des Mu- 
seum für praktische Geologie zu London die babylonischen Ziegel. 
glasuren sorgsam analysirt. Das Gelb ist ein Antimoniat von Blei 
und enthält Zinn; diese Mischung, genannt Neapelgelb, die man für 
eine moderne Erfindung hielt, war auch den Aegyptern bekannt; 
Das Weiss ist ein Zinnoxydemail, man kannte also die Benützung 
des Zinnoxyds zu der Gewinnung opaker Emailfarben, welche 
Erfindung immer den Arabern des 8. oder 9. Jahrhunderts zu- 
geschrieben wird und die Lucca della Robbia im 15. Jahrhundert 
vielleicht ohne Kenntniss dessen was so lange vor ihm gekannt 
war aus sich selbst erneuerte und in genialster Weise technisch 
und künstlerisch zu benützen verstand. Das Blau, 1 und wahr. 
scheinlich auch das auf ninivitischen Emails vorherrschende Grün 
ist reines Kupferoxyd, verbunden mit Blei. Das letztere wurde 
nicht der Farbe sondern des leichteren Flusses wegen hinzuge. 
fiigt, eine Eriindung die in der Geschichte der Töpferei gewölm- 
lich erst dem 12. oder 13. Jahrhunderte nach Christo zugeschrie. 
ben wird. Das Roth ist ein Kupfersuboxyd. Ueber das Braun, 
das vielleicht auf babylonischen Ziegeln nicht vorkommt, enthält 
der Bericht keine Mittheilung. 
Nach eigenen Beobachtungen an den Ziegeln von Chorsabad 
im Louvre fand ich zweierlei Arten von Glasuren, die eine mehr 
glasig und glänzend, die andere kalkig und matt, beide durchaus 
opak. Vielleicht erklärt sich dieser Unterschied einfach daher 
dass die Verwitterung des Glases nicht für alle Farben gleichen 
Schritt hielt, sondern bei einigen derselben früher als bei anderen 
eintrat. Alle schienen mir ausserordentlich leichtiiüssig zu sein, 
was schon aus der bereits oben erwähnten geringen Tiefe der 
1 Dasselbe ist dunkler als das Blau der Aegypter, wenigstens an einigen 
Glasuren, die vielleicht die älteren sind. Die Glasuren mit apfelgrünem Grunde 
enthalten dagegen helles dem ägyptischen Caeruleum ähnliches Blau, das Ging 
Smalte ist. Das assyrische Kupferoxyd scheint ein -sehr gesuchter Handels. 
artikel gewesen zu sein und wird unter den Tributgegenständen aufgeführt 
Layarä besuchte die alten Kupferminen in dell Tijarigebirgen , Woher dieses 
Pigment wahrscheinlich geholt wurde.
        

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