Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671299
Textile "Kunst. 
Assyrien. 
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ist endlich wohl dasjenige was sie für 
schichte am bemerkenswerthesten macht. 
die 
allgemeine 
Stilge- 
Man erkennt an den im Louvre befindlichen emaillirten Zie- 
geln aus Chorsabad und Babylon, die ich genauer prüfen konnte, 
folgende Eigenthiilnlichkeiten: 
Sie sind aus ziemlich unreinem Lehm geformt und bei sehr 
schwachem Feuer nur oberllächliclu gebrannt, so dass die Gluth 
nur höchstens einen halben Zoll tief, von der glasirten oder ge- 
malten Oberfläche gerechnet, einwärtsgedrungen, der eingemauerte 
Theil des Ziegels dagegen roh und vom Feuer unberührt geblic- 
ben ist. 
Dazu kommt zweitens dass mit Ausnahme einiger friesartiger 
Inschriften und Bandverzierungen alle die Oberfläche bedecken- 
den Malereien in gar keiner Beziehung zu den Fugen der Ziegel 
stehen, dass vielmehr die Süjets auf die bereits zusammen- 
gefügte Wand ganz frei und ohne Rücksicht auf den Schnitt 
der Fugen aufgetragen wurden. Selbst bei den Friesen und 
Bandverzierungen ist da wo ihre Grenzen nach oben und unten 
mit den Fugen zusammentreffen, was keineswegs überall der 
Fall ist, wenigstens auf die vertikalen Fugen keine Rück- 
sicht genommen worden, so dass z. B.-Rosetten, Palmetten und 
dergleichen Motive bald in die Mitte bald in die Fugen der 
Ziegel treffen, oder wie sonst der Zufall es mit sich bringt. 
Auch muss drittens als Eigenthümlichkeit hervorgehoben wer- 
den dass nur diejenige Seite des Ziegels die den Theil der Wand- 
fläche bildet Farbenspuren trägt, mit Ausnahme einiger Stellen, 
wo während der Bemalung jener einen Seite die Farbe über 
deren Rand hinaus lief und längs der benachbarten Seitenflächen 
des Ziegels herabfloss. 
Diese Ziegelbekleidungen konnten also nicht in musivischer 
Arbeit bestehen, wie jene anderen die man zu Wurka fand, son- 
dern die Ziegel wurden hier mit Malerei investirt wie sie schon 
Mauerfläche bildeten oder doch zu einer Ebene zusammengefügt 
waren. Es erhellt aber zugleich aus dem zuletzt angeführten 
Umstande des Herabfliessens der Farbe an den Wänden der 
Ziegel welche die sichtbare Seite senkrecht treffen dass die zu- 
sammengefiigte Ebene eine Horizontale bildete wie sie bemalt 
wurde, und dass die Fugen während der Malerei nicht mit irgend 
einer Kitte verbunden waren. 
Semper. 
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