Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671270
Kunst. 
Textile 
Assyrien. 
351 
Diodor hat uns, wahrscheinlich nach Ktesias, die Notiz er- 
halten, „dass die innere kreisförmige Mauer der Königsburg zu 
"Babylon, (am westlichen Ufer des Euphrat,)_ dekorirt gewesen 
„sei mit in dem weichen Thone der Ziegel geformten und ge- 
„brannten Bildern von verschiedenartigen Thieren, die durch 
"Farbe und kunstvolle Zeichnung der Natur nahe kamen. 
"Innerhalb dieser zweiten Umfassungsmauer habe ein dritter 
"Peribolus die eigentliche Akropolis umgeben; auf deren Thürmen 
"und Mauern mancherlei Thiere sehr künstlich in Farben und 
"Formen nachgeahmt wären. Das Ganze stelle eine Jagd von 
"mancherlei Thieren vor, die meistentheils noch erhalten seien. 
"Die Figuren seien mehr als vier Ellen hoch. Man sehe Semi- 
„ramis dargestellt, wie sie vom Pferde den Panther erlege. Neben 
"ihr den Gemahl Ninns, der mit der Lanze den Löwen durch- 
"steche." 
Der Grieche sieht in dem bartlosen Eunuchen, der für ge- 
wöhnlich den König auf seinen Jagden und Kriegsfahrten be- 
gleitet, die Semiramis rund baut darauf seine Hypothese über die 
Gründung der Burg durch diese mythische Königin, er sieht in 
der That nichts anderes als was wir auf den assyrischen Alabaster- 
reliefs noch heute erblicken und was auch, nebst anderen Scenen 
des öffentlichen und Privatlebens der Könige, auf jenen assyri- 
sehen Terrakottawänden dargestellt gewesen sein muss, wie sich 
aus den vorgefundenen Bruchstücken deutlich genug ergibt. 
Also ein Prinzip der Dekoration das bereits über das Oma-- 
ment und die Nachahmung des Musters in der Textrin hinaus- 
geht und schon die Darstellung und Schilderung von Vorgängen 
und Lokalitäten erstrebt. Doch hat es sich von dem Ornamente 
und dem Stickmuster noch nicht gänzlich emanzipirt, es bildet 
einen Uebergang, demjenigen vergleichbar, den die historiirten 
Gewänder des Mittelalters zwischen den früheren brochirten Stoffen 
und den späteren vollständig entwickelten ArrazzPs machen. Das 
Ornament zieht sich noch einfassend und trennend durch die 
Darstellung hindurch und Keilinschiriftbänder dienen mehr zu 
dekorativen Zwecken denn der einfachen Absicht zu erklären, 
in welcher lezteren sie auf den Alabasterreliefs ohne alle Rücksicht 
auf Symmetrie und Schönheit angebracht sind und meistens die 
Formen und Linien erbarmungslos durchschneiden.
        

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