Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671260
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Viertes 
Hauptstück. 
Bereits oben ward der merkwürdigen Ziegelbekleidungen er- 
wähnt, die Loftus und seine Gefährten in den Trümmern der 
alten Chaldäermetropolis zu Wurka entdeckt hatte, nämlich 
eine förmliche regelrechte Mosaik, zusammengesetzt aus Stiften 
oder Konen von gebranntem und oben an dem dicken Ende, das 
sichtbar blieb, -mit farbiger Glasur überzogenem Thone. Jeder 
Kegel hat seine bestimmte Farbe und durch das Reihen und 
Zusammenfügen derselben entstehen regelmässige geometrische 
Muster, wie Quadrate, Imbrikationen, Netzwerke und dergl. _ 
Spuren ähnlicher Mosaikbekleidungen der Wände finden sich 
auch unter den assyrisehen Trümmcrhaufen; aber weit häufigere 
Ueberreste einer ganz andern Technik, die zu jener den geraden 
Gegensatz bildet, obschon sie den Stoff mit ihr gemein hat, lassen 
es unentschieden ob hier eine ältere Tradition durch eine neue 
Erfindung verdrängt ward oder 0b umgekehrt die spätere Er- 
findung noch. nicht Zeit gehabt hatte neben der früheren sich 
Bahn zu brechen. 
In den mit Steintafeln verbrämten Räumen und vorzüglich 
zwischen den Eingangspfosten fand man eine Menge von gebrann- 
ten Ziegeln mit darauf ausgeführten Malereien, die in Beziehung 
auf die dargestellten Gegenstände und noch mehr in Beziehung 
auf die Technik der Ausführung von jenen vorher erwähnten 
Wanddekorationen auf Stucco durchaus abweichen. 
Meines Wissens haben sich nirgend aufrechte Ueberreste so 
dekorirter Mauern vorgefundenf sondern nur die zerstreuten und 
ihres Zusammenhanges gänzlich beraubten Trümmer derselben in 
Mitten des Schuttes, der die Räume füllt und die 'l'errassen- 
mauern abböscht. Doch scheint es erwiesen und entspricht es 
den Berichten der Alten über den buntfarbigen Ziegelschmuck 
der ähnlichen babylonischen Burgen und Paläste dass ein Theil 
der inneren und wahrscheinlich die gesammten äusseren Wände 
Ninives in ihren oberen Theilen mit dieser solideren Inkrustation 
gesichert und zugleich geziert Waren. 
1 Im letzten Jahrhunderte soll nach des Reisenden de Beauehamp Bericht 
in dem Ruinenhügel von Kasr bei Hillah eine Stube mit Mauern aus email- 
lirten Ziegeln entdeckt worden sein, worauf eine Kuh und Bilder der Sonne 
und des Mondes dargestellt waren. Layard konnte diesen Raum nicht wieder 
aufünden.
        

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