Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671247
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Viertes 
Hauptstück. 
(Wcisse und Gelbe) beliebt ward.' Vielleicht kam dieser Ge- 
schmack aus Aegypten, dessen damaliges Einwirken auf assyrische 
Verhältnisse sich auch sonst bekundet, und wo die helle Poly- 
chromie stets volksthümlich blieb. Auch der Stil der Zeichnung 
und die ornamentalen Motive sind verschieden. In beiden er- 
kennt man den vorherrschenden Einfluss der Textrin; es sind 
gestickte Ornamente, die wir gemalt vor uns sehen; aber im 
älteren Stile herrscht das Guilloche, jenes symbolische Zopfgeflecht, 
und das Anthemienband und zwar die ursprünglichere assyrische 
Bildung dieses durch alle Jahrtausende traditionell gebliebenen 
Pilanzenornaments, das mit seinen Pinienzapfen, Tulpen und 
sonstigen. aus dem heiligen Baume entwickelten Motiven noch 
mystisch tendentiösen Sinn hatte, den es bei den Griechen ver- 
lor, die dafür das vollendet Formenschöne daraus entwickelten. 
Dagegen ist der spätere Stil zwar auch wie jener ältere 
Stickereistil aber in handgreiflicher Auffassung; man sieht R0- 
setten, Quasten, Nähte und Schnallen, Garniturcn und dergl. 
Dazu tritt schon die Benützung konstruktiv-architektonischer 
Detailförmen, wie z. B. der Mauerzinnen, zu ornainentalen und 
dekorativen Motiven. 
Obschon die hellgrundige zuletzt bezeichnete Wandmalerei 
entschieden jünger ist als jenes Zopfgefiecht und Rankengewinde 
an den Wänden des ältesten Baues, so datirt sie dennoch aus 
den Zeiten der früheren Dynastien der assyrisehen Monarchie. 
Diess ergibt sich deutlich aus der dabei befolgten Nachahmung 
derjenigen Art Gewandstickerei, die in den Zeiten der Chorsa- 
bad- und Kudjundshik-Dynastien nicht mehr geübt ward, indem 
damals schon der Webstuhl jene regelmässigen Muster hervgr- 
brachte, wodurch die Handstickerei in späterer Zeit fast gänzlich 
verdrängt wurde. 2 
Wenn auf den Bruchstücken ältester Malerei die Thierfriese, 
als offenbare Nachbildungen gestiekter Gewandgarnituren, nicht 
vorkommen, so ist dieses wohl nur Zufall und darf die Unbe- 
kanntschaft der älteren Wanddekoration mit diesen Motiven 
nicht daraus gefolgert werden. 
' In beiden Stilen kommen übrigens ausser dem Weiss und 
nur dieXlrei Grundfarben, das Gelb, das Roth und das Blau 
cirung vor, 
2 Siahe oben unter Stickerei.  
den] Schwarz 
ohne Niian-
        

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