Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671232
Textile Kunst. 
Assyrien. 
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schon vorher durch das eigentliche Bekleidungswerk der durch 
sie an ihren Sockeln umstellten und garnirten Wände. 
Von diesem eigentlichen Bekleidungswerke haben sich 
nun auch an den assyrischen Ueberresten sichere Spuren er- 
halten und manches was sich nicht mehr nachweisen lässt wird 
uns darüber klar berichtet oder lässt sich nach der Analogie an- 
derer verwandter Werke restituiren. Viele ja die mehrsten 
Räume hatten gar keine Steinbekleidungen und sind desshalb, 
weil sie denantiquarischen Schatzgräbern und Commissionairen 
der Museen keine Ausbeute lieferten, fast ganz ununtersucht ge- 
blieben; ein Umstand der einen bedauerlichen nicht leicht mehr 
ergänzbaren Hiatus in dem ehrwürdigen Urtexte der Geschichte 
der Baukunst, den wir so glücklich waren wieder aufzufinden, 
zurücklässt. 
Vielleicht würde man auf älteste Stukkaturarbeiten, d. h. auf 
Stuckreliefs und Stuckornamente oder auf mit bemalter Kreide 
überzogene Thonreliefs gekommen sein, was mich nicht im Gering- 
sten Wunder genommen, sondern meinen Ideen über die Stilge- 
schichte der Malerei und Plastik sowie analogen Erscheinungen 
in Indien, China und sonst entsprochen hätte. 
Auch über die so interessanten Wandmalereien auf Stuckgrund, 
über die Beschaffenheit der letzteren und die Art der Malerei, 
die dabei in Anwendung kam, sind wir sehr dürftig unter- 
richtet, obschon derartig ausgestattete Wände sich in bedeuten- 
der Menge vorgefunden haben. Zwei Blätter in der ersten 
Series der von Layard herausgegebenen Monuments of Niniveh 
Nro. 86 und 87 geben nur eine schwache Idee von der Eleganz 
und der harmonischen Polychromie, welche die betünchten Wände 
jener assyrischen Königsburgen belebten. Sie sind theils aus 
dem ältesten Nordwestpalaste, der bereits gegen Ende des 1'2ten 
Jahrhunderts gegründet und im Laufe des lOten von einem an- 
dern Könige vollendet sein soll, theils aus einem erhöhten Pa- 
villon, der sich südlich von diesem Palaste befand. 
Ein sehr ausgesprochener Unterschied der Stile der beiden 
Perioden assyrischer Wanddekoration, denen sie angehören, gibt 
sich an ihnen kund, und wenn es gestattet wäre auf so verein- 
zelte Bruchstücke ohne Zusammenhang irgend eine Ansicht zu 
gründen so hätte im älteren Stile der dunkle Grund (und zwar 
der blaue) vorgeherrseht, während nachher das hellgründige
        

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