Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671202
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Viertes Hauptstück. 
Diess hätte der sonstigen Pracht, die wir noch jetzt an den Ge- 
mächern wahrnehmen, so wenig wie den Nachrichten der 
alten Autoren entsprochen, die keine Gelegenheit versäumen, um 
gerade den ausnehmenden Luxus der Assyrier, Babylonier und 
Perser in Teppichen und goldbelegten Fussböden im Gegensatze 
(zu den griechischen Estrichparquets hervorzuheben. Entweder 
waren die mit Tafeln belegten Gemächer nur Nebenräume unter- 
geordneten Ranges oder ihr Fussboden musste ehemals mit Tep- 
pichen, vielleicht sogar mit vergoldeten Metallplatten, mit inkru- 
stirten Cedernholzgetäfeln oder sonst wie noch ausserdem be- 
kleidet sein. Nur über der Schwelle der Thüre konnte nicht wohl 
derartiges angebracht werden, und daher finden wir gerade hier 
die Steintafeln nach dem Vorbilde reicher Teppiche mit einge- 
grabenen, (wahrscheinlich niellirten) Mustern und Inschriften ver_ 
ziert. (Siehe Layard Second Series, table 56 und oben Holz- 
schnitt auf Seite 54,  15.) 1 
Ein vollständiges System von Wasserröhren und Ableitungen 
ging unter den Täfelungen der Fussböden fort und stand mit Aus- 
güssen in Verbindung die sich in den Ecken der Säle befanden. 
Zu dieser erhabenen Plattform mit ihrer Ziegeltäfelung und 
dem mehr ornamentalen denn Schutz gewährenden Zinnenkranze 
führten prachtvolle Freitreppen und Rampen hinauf, den P3,- 
lästen und Tempeln entgegen, deren alleinig erhaltene unter- 
sten Mauertheile unter Bergen von Schutt und Erde tief be- 
graben liegen, wodurch schon der sichere Beweis gegeben 
ist dass sich ein vielstöckiger sehr bedeutender Hochbau über 
ihnen erhoben hatte, was übrigens auch schon aus der enor- 
men Dicke der Mauern und den geringen Zwischenräumen, die 
sie trennen, unzweifelhaft hervorgeht; man sieht deutlich diese 
Gange, die bei einer Länge von 30-40 Meter zuweilen nur 
6 --7 Meter Breite haben, sind nicht durch die Zweckinässigkeit 
der Raumvertheilung bedungen, sondern gleich jenen Favis- 
sae der Substruktion auf denen sie stehen aus einer konstruk- 
tiven Idee hervorgegangen, nämlich aus der Absicht, durch sie 
einen vielgegliederten Terrassenbau vorzubereiten, der einen der 
Quadratform sich annähernden sehr geräumigen Hofraum um- 
1 Au anderen Stellen fand man auch zwischen den Thürpfosten die Üeber- 
reste starker gegossener Metallplatten, die als Schwelle gedient hatten. Eine 
dergleichen sieht man derzeit im britischen Museum.
        

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