Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671182
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Viertes Hauptstück. 
Ein Stück Mauer, ähnlich der Basis der Terrasse zu Nimrud, 
findet sich noch auf der einen Seite des grossen Hügels von Kalah 
Sherghat. „Sie. ist aus gut gehauenen Steinen oder Platten ge- 
bildet die sorgfältig an einander gepasst und an den Ecken ab- 
geschrägt sind. Oben auf dieser Mauer existiren die Zinnen noch, 
die in Stufen behauen und in dieser Hinsicht den Zinnen der 
Burgen und Thürme ähnlich sind, welche auf den Skulpturen zu 
Nimrud dargestellt werdenf"  
Ich werde auf diese mit Stein inkrustirten assyrischen lilauer- 
fundamente später zurückkommen müssen, wesshalb hier nur noch 
bemerkt werden mag dass sie nicht in Kalk versetzt sondern 
mit eisernen Ankern verbunden waren und dass die Fugen und 
Zwischenräume, wie es scheint, mit Lehm ausgefüllt wurden. 
Die grossen Terrassen welche die Hauptmasse jener oft er- 
wähnten künstlichen Hügel bilden wurden vonLayard und Botta, 
für massive Erdaufwürfe gehalten, bei denen nur die äussere Be- 
kleidung aus Mauerwerk konstruirt sei, es hat sich aber bei spä- 
teren Untersuchungen herausgestellt 2 dass auch sie aus einem 
Zellensysteme einander rechtwinklicht durchkreuzender paralleler 
Mauern bestehen, deren Zwischenräume lange Gänge bilden, die 
zum Theil ausgefüllt sind, zum Theil aber als Wohnräume, Passa- 
gen, Magazine, Gefängnisse oder zu anderen Zwecken benützt 
und dafür mit Stuck oder auf andere Weise innerlich bekleidet; 
wurden. Eben so ist die Terrasse worauf die hohe Persepolis 
steht hohl und von langen Gängen durchschnitten. Der Scheiter- 
haufen des Hefästion hatte, wie wir oben sahen, eine ganz ähn-_ 
lieh konstruirte Basis. Diess sind die Favissae der Römer, die 
unter dem Tempel des kapitolinischen Jupiter schon aus vorrömi- 
scher Zeit bestanden. Die Griechen nannten sie S yringes 
(Pfeifen) und konnten Aehnliches innerhalb ihrer kyklopischen 
Werke von Tyrins und Nauplia nachweisen. Aus ihnen machten 
die fabelnden Epigonengeschlechter die berüchtigten Labyrinthe, 
deren Erwähnung in den Mythen aller Länder des Mittelmeeres 
ein Zeugniss mehr über die allgemeine Herrschaft eines homo- 
1 Layard, Ninive und seine Ueberreste, deutsch von Meissner. S. 223. 
2 Herr Loftus fand in der untersten Terrasse von Nimrud reich ausge. 
stattete Gemächer mit prachtvollen in der bekannten Weise mit Bukentauren 
und dergl. verzierten Zugängen.
        

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