Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671130
Kunst. 
Textile 
Assyrien. 
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greift. Natürlich ist diess eine tertiäre oder noch mehr abgeleitete 
Stilmetamorphose.  Von Holz- und Metallinkrustationen haben 
sich meines Wissens, ausser einigen Goldplättchen, die kaum 
eine andere Bestimmung gehabt haben konnten als diejenige, 
irgend einen Stoff, wahrscheinlich Holz, zu- bekleiden, keine 
Spuren erhalten; wir wissen aber, dass sie in sehr früher Zeit 
in Anwendung kamen und dürfen sie auch hier voraussetzen. 
Von den tektonischen Theilen des altchaldaischen Stiles, ich 
meine von der Säule und dem Dache, dessen Stütze sie ist, Wissen 
wir direkt gar nichts, Wir müssen darüber alle unsere Vermuthun- 
gen auf die späteren gleichfalls sehr ungewissen Daten die der 
assyrisehe, neubabylonische und persische Stil uns bieten be- 
gründen. Immerhin- ist die Auffindung eines korinthisirenden 
Gebälks mit zugehörigem Säulenwerk aus Stuck in Mitten eines 
alten chaldäischen Ruinenhaufens eine auffallende Thatsache. 
Assyrien. 
Eine Reform und ein neues Kraftcentmm erhält der chal- 
däische Kulturgedanke an den Ufern des oberen Tigris, dort 
wo sich der obere Zab von den Gebirgen des Arrapachitis herab, 
das Medien von Assyrien trennt, mit ihm vereinigt. Des neuen 
Reichs Begründung knüpft sich an die mythischen Namen des 
Asshur und Ninus. Nach einer von Diodor uns erhaltenen Nach- 
richt oder Sage soll letzterer, wahrscheinlich ein Lehnsmann des 
alten chaldäischen Reiches, mit den wandernden semitischen 
Stämmen eine Allianz geschlossen und mit Hülfe dieser kriegeri- 
schen Araber die südlichen Städte und das ganze westlicheAsien, 
mit Ausnahme Indiens und Baktriens, unterjocht haben. Nach der 
Befestigung seiner Herrschaft gründete er die Stadt Ninive, 
unter deren neue Bewohner er die umliegenden Ländereien ver- 
theilte. Nach seinem Tode wird ihm ein Grabmal von unge- 
heurer Grösse (nach Ktesias neun Stadien hoch und zehn Stadien 
im unteren Durchmesser breit) errichtet. 
Die Ueberreste der "Werke dieses Stadtbegründers und seiner 
Nachfolger (das Reich dauerte nach Rawlinson vom 13. bis in 
das 7. Jahrhundert vor Christus) sind es nun die, erst kürzlich 
wieder an das Licht gebracht, uns über die Form der Gesell- 
schaft und den Stand der bildenden Künste, wie sie mit geringen 
Semper. 43
        

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