Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671104
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Hauptstück. 
Viertes 
und Ziegelwände durch Steintafeln, das wirs an den altbabyloni- 
sehen Mauerwerken noch nicht gefunden hatten, hier in früher 
Anwendung zuerst hervortritt. Doch beschränkte es sich noch 
allein auf die Bekleidung der Thüreingänge mit diesem hier 
heimischen dauerhafteren Stoffe. 
Dieselben Spuren einer altäsiatischen Kultur und Kunst, die 
wahrscheinlich weit über die Zeit der babylonischen und assyri- 
sehen Reiche historischer Zeit hinausreichen, nämlich bergähn- 
liche Terrassenwerke aus Backsteinen mit Spuren einstiger Be- 
kleidung der konstruktiven Massen durch Inkrustationen der ver- 
schiedensten Art, so wie künstlich erhöhte und erweiterte natür- 
liche Hügel, finden sich überall über Kleinasien ganz Syrien und 
Phönikien bis an das Mittelmeer und nach Aegypten hinüber ver- 
breitet. Gepflasterte Bergabhänge, um sie zu befestigen und im- 
zugänglich zu machen, sind hie und da noch Wohl erhalten; z. B. 
zu Bir am oberen Euphrat, wo die Burg auf künstlich erhöhtem 
natürlichem Felsen steht, im Inneren gewölbte Gänge (Syringen) 
enthält, nach aussen aber geneigte mit kolossalen Steinen gepfla- 
sterte Wände hat. Zu des Reisenden Pocoke Zeit war diese Burg 
noch römisch armirt, mit antiker Artillerie, Katapulten, Schleudern 
und dergleichen besetzt. So auch ist das Kastell zu Aleppo jetzt 
ein künstlicher Kegel von ovalem Grundplane, der aber ursprüng- 
lich eine Stufenpyramide nach babylonischem Stile gewesen sein 
mag. Die Pflasterung der Wände des Abhangs mit Quadern ist hier 
jedoch aus der Zeit der Kreuzzüge. Uebrigens ist die Ebene von 
Aleppo mit "dergleichen babylonischen Pyramidenbauten über- 
säet. Einige davon sind nahezu 200 Fuss hoch und tragen noch 
Spuren von Tempeln auf ihrer Spitze. 1 Bis an die Grenzen der 
Sandwiisten Arabiens erstrecken sich diese unzerstörbaren Grenz- 
pfeiler der menschlichen Erinnerung, zu Hama und zu Edessa, 
dessen ovalrundes Kastell mit noch kenntlichen Terrassen aus 
steingetäfeltem Lehmziegelwerke einst den berüchtigten Sonnen- 
tempel des Heliogabalos trug. Auch zu Damaskus liegt eine Vor- 
stadt auf den Terrassen einer babylonischen Burg.  Doch wir 
verlassen für erst die Spuren dieser ältesten Civilisation, die sich 
noch weiter verfolgen lassenlund kehren dahin zurück, von wo 
sie ausging, in die_ Alluvialniederung des unteren Euphrat. 2 
1 Chesney, Expedition for the Survey of the Euphrates etc. V. I. S. 411. 
Ainsworth Travels and Researches in Asia minor II. 101. 
2 Schon den Magiern der persischen Zeit war die Geschichte und die
        

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