Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671093
Textile Kunst. 
Chaldäa. 
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Die genannten Quaderwerke des Unterbaues sind bereits eine 
Neuerung, die der chaldäische Baustil in der felsenreichen Gegend 
des nördlichen Tigrisgebietes annahm. 
Vielleicht war diese gigantische Burg die letzte Station der 
chaldaischen Civilisation bis nach Niniveh, woselbst sie an den 
Ufern des Tigris und des oberen Zab, am Fusse der Gebirge von 
Kurdistan, einer grossartigen Metamorphose entgegenreifte, in Folge 
politischer Verhältnisse und zugleich lokaler Einflüsse, besonders 
der Nähe von Kalkstein- und Alabasterbrüehen. 
Auch nördlicher noch und westwärts von Ninive erstreckt 
sich die Kette altchaldäischer Monumente, Zeugen des Ganges 
den das Civilisationsprinzip, das von Chaldäa ausging, genommen 
und die Grenzen seines Einflusses bezeichnend. Unter diesen, die 
überall aus den weiten Ebenen auftauchen, sind durch Layard 
erst einige Wenige am Fusse des Sindjargebirges und den Ufern 
des Kabur mehr durchstöbert als durchforscht worden. 
Hier, am Ufer des Kabur, erhebt sich der künstliche Hügel 
von Arban, mit merkwürdigen Skulpturen, die weder ganz dem 
assyrischen Stile entsprechen noch demjenigen gleichen, was Wir 
von den älteren babylonischen Sachen kennen. "Kräftig und 
eckig in den Umrissen und der Behandlung machen diese Skulp- 
turen den Eindruck hohen Alterthums. Sie verhalten sich eben 
so zu den hochverzierten und vollendeten Skulpturen von Nimrud, 
wie die ältesten Ueberreste griechischer Kunst zu den herrlichen 
Monumenten des Phidias und Praxiteles." So das Urtheil Layards, 
auf welches in Kunstfragen ich jedoch nicht immer schwören mag. 
Immerhin sind diese Skulpturen wegen ihres unzweifelhaft 
archaischen Typus und besonders wegen ihrer verwandtschaftlichen 
Züge mit dem, was die europäische Auffassung der asiatischen 
Kunstüberlieferungen in ihren frühesten Versuchen aus diesen 
machte, höchst interessant; aber obschon übertriebener und roher 
in gewissen Details, z. B. den strickähnlich aufgelegten Sehnen 
und Muskeln der Körpertheile stehen sie doch keineswegs zu den 
Skulpturen von Nimrud und Kudjundschik in dem von Layard 
ausgesprochenen Verhältniss. Sie sind allem Anscheine nach älter 
als dasjenige", was wir den assyrischen Stil nennen wollen, das 
heisst sie reichen über die Zeit hinaus, in welcher die Metamor- 
phose des altchaldäisch babylonischen Civilisationsprinzipes in das 
assyrische eintrat, obschon ein System des Bekleidens der Lehm-
        

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