Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671087
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Viertes Hauptstück. 
man fand auch hier Hunderte von Särgen aus Terrakotta, mit jener 
grünen mit Kupferoxyd gefärbten Bleiglasur, wegen welcher sie für 
die Geschichte der Keramik sehr merkwürdig sind. (S. Keramik.) 
Neben diesem noch andere Gegenstände des eigenthümlichen 
Stiles, den ich chaldäisch nennen möchtef 
Die Ruine besteht aus unregelmässigen Mauermassen die durch 
strassenähnliche Einschnitte in vier getrennte Gruppen geschieden 
sind. Ein Thurm aus Luftziegeln erbaut und von viereckiger 
Grundform erhebt sich über der Nordostecke der Ruine. Neben 
dem Thurm stösst man auf anderes Mauerwerk, theils von Luft- 
ziegeln, theils von gebrannten ausgeführt. Diese sind nicht quad- 
ratisch, sondern länglicht wie die modernen undvzum Theil mit 
babylonischen, nicht entzifferten, Inschriften versehen, die muth- 
masslich den Namen eines Königs enthalten. 
Nordwärts von Babylon setzt sich dieselbe Kette wahrschein- 
lieh grossentheils der älteren chaldäisch-babylonischen Kultur- 
periode angehörender Ruinenhügel fort. Westwärts von Bagdad 
ist das merkwürdige Akkerkuff. Eine kolossale, jetzt formlose 
Masse aus Lehmziegeln mit dazwischen gelegten Rohrmatten, die 
noch wohlerhalten sind. Sie dienten nicht einzig zur Consoli- 
dirung des Gemäuers, sondern hauptsächlich zu der BGfGSiJlgLIng 
des Kalkmörtels der Aussenwände, eine Praxis, die wie oben ge- 
zeigt worden noch jetzt in China in tagtäglichem Gebrauch ist, 
Der Gipfel des Terrassenbaues ist noch immer trotz seines Ver- 
falles über 150 Fuss hoch. Theile des Baues, wahrscheinlich 
die neueren, waren mit gebrannten Ziegeln bekleidet, wovon die 
Trümmer am Fusse des Berges umherliegen. Inschriften fehlen hier 
noch ganz wie an den Ziegeln des eigentlichen Chaldäa am Nie- 
der-Euphrat. (Ueber die Inkrustation der Mauern durch gebrannte 
Ziegel und das dabei beobachtete Verfahren, siehe Seite 353 u. ff.) 
Zu diesen ältesten Monumenten Mesopotamiens gehört auch 
das am Tigris gelegene Kala Scherghat, der umfangreichste aller 
Ruinenhügel in Mesopotamien, zum Theil natürlich, aber mit Back- 
stein terrassenweis von Süden nach Norden ausgebaut und mit 
einer Quadersubstruktion, von der ein Theil mit seiner Zinnen- 
bekrönung sich erhielt. Die Backsteine tragen babylonische In- 
schriften mit den Monogrammen der altchaldäischen Könige. 2 
pag. 
1 Layard Niniveh and Babylon, Seite 562. 
2 Rawlinson im Athenäum 18. März 1854, 
342.
        

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