Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1671067
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Hauptstück. 
Viertes 
aufgefunden. Sie gehören scheint es weder dem neubabylonischen 
noch dem assyrischen und eben so wenig dem persischen Skulp- 
turstile an und stehen dem ägyptischen fast eben so nahe. Man 
möchte den naiven Charakter, der ihnen innewohnt, für ursprüng- 
lich halten, als läge er jenseits der Entwicklung selbst der ältesten 
der genannten Stile, wo nicht in chronologischem , doch sicher in 
kulturhistorischem Sinne. Es konnte das Primitive hier durch Jahr- 
tausende hindurch fortvegetiren und alles Abgeleitete überlebenß 
Fünfzehn Meilen östlich von Wurka liegt die Ruinengruppe 
von Sinkereh; sie besteht aus drei Erdhügeln, genannt der grosge 
Berg, der rothe Berg, von der Farbe der rothen Backziegel woraus 
er besteht, und der Kameelberg, von der Aehnlichkeit mit diesem 
Thiere. In der That erheben sie sich von Wurka aus gesehen in der 
Luftspiegelung am Horizonte gleich mächtigen Bergen. Auch hier 
ist der ganze Raum zwischen den Monumenten mit Särgen ausge- 
füllt, die manche sehr interessante Alterthümer enthielten. Hier 
und an den übrigen Ruinenorten der Gegend wurden nach der 
Behauptung der Araber schon grosse Schätze und Königsleichen 
mit goldenem Krönungsschmuck, mit Kron und Scepter, gefunden. 
Herr Loftus hat diese Ruinen untersucht und monogrammatische 
Keilinschriften nebst Terrakottatafeln von der oben beschriebenen 
Art in grosser Anzahl entdeckt. Wenn wir nur den Inhalt die- 
ser Inschriften mit Sicherheit entziffern könnten. 
Noch unzählige andere zum Theil selbst unbesuchte, viel weni- 
ger durchforschte, Städtetrümmer dieser Art bedecken den Allu- 
vialboden der einst die Wiege der Menschheit trug aber schon 
zu Alexanders Zeit der Gewalt der Elemente zurückverfallen war. 
Der makedonische Heros besuchte die Gräber der alten ehaldäi- 
sehen Könige und unternahm das Herkuleswerk, diese versumpf- 
ten Marschen und ausgedorrten Hochlande der Civilisation wie- 
derzugewinnen, ein Unternehmen, worüber er erkrankte und starb. 
' Die Stillosigkeit dieser Darstellungen auf Thontafeln, Seemuscheln und 
Cylindern aus Südbabylonien, d. h. der Mangel eines Einflusses der Baukunst 
auf die Skulptur und die bildende Kunst der sie bezeichnet, lässt sie bei 
flüchtiger Prüfung als spätes, einer Verfallszeit angehöriges, Werk erscheinen; 
aber eine gewisse Stillosigkeit, das äusserlich Bewegte und Burleskc, die Planken- 
manier (die von dem Baracken der Verfallszeiten himmelweit verschieden ist) 
Endet sich stets als Vorläuferin der starren-hieratischen Kunst, die niemals 
einen primitiven Zustand der künstlerischen Bildung eines Volkes bezeichnet. 
Ißh werde Gelegenheit haben in den Artikeln über Aegypten und Griechenland 
und noch sonst auf diesen hier flüchtig berührten Punkt zurückzukommen.
        

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