Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670948
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Viertes 
Hauptstück. 
An dem obersten Rande des Katafalks lief ein netzförmiger 
Behang hin, mit Glocken von angemessener Grösse, so das man 
in weiter Entfernung das Herannahen des YVagens hören konnte. 
An jeder Ecke des gewölbten Baldachin stand eine goldene 
Nike mit einer Tropäe; getragen wurde er von goldenen Säulen 
mit ionischen Knäufen. Zwischen den Säulen war ein goldenes 
Netz mit iingerdicken Fäden ausgespannt, und unten liefen fries- 
ähnlich vier Bilder herum, gleichsam Stylobate bildendÄ Es folgt 
die Beschreibung dieser Bilder. 
Den Eingang in das umhegte Tabernakel bewachten zwei Lö- 
wen aus Gold, welche die Hineingehenden anblickten. Je zwei 
Säulen waren durch ein goldenes Kreuzgewinde aus Akanthus 
verbunden, die sich allmälig zu den Kapitalen hinaufzogen. Ueber 
dem Thronhimmel war noch eine Purpurdecke ausgespannt, über 
der Mitte von einem grossen im Sonnenscheine blitzenden Oliven- 
kranze ausgehend. Die Axen, Speichen und Felgen der vier 
persischen Räder waren vergoldet, die Reifen aus Eisen. Die 
Vorsprünge der Axen bildeten Löwenköpfe, die in den Rachen 
einen Jagdspiess hielten. Durch eine mechanische Vorrichtung 
war dafür gesorgt, dass der Thronhimmel sich auf schlechten 
Wegen stets horizontal erhielt. 2  
Ich denke mir die xuyriga, das Gewölbe, wie jene Giebel im 
Spitzbogen welche das Oberste der bereits erwähnten lykischen 
Gräber bilden. Ueber der Krista dieses gewölbten Schirmdaches 
erhob sich dann ein metallenes Gerüst, an welchem, der Länge 
nach zu beiden Seiten herabfallend, die oberste Purpurdecke 
hing; der Olivenkranz oder vielmehr das aus Olivenblättern be- 
stehende laufende Ornament zog sich dann über der Decke auf 
dem scharfen Rücken des durch sie gebildeten Daches fort, ähn- 
lich den Krönungen der Tempeldächer und mit Hinblick auf letz- 
tere. Die mit Edelsteinen ausgelegten oder vielleicht emaillirten 
Schuppen der gebogenen Decke sind nicht äusserlich, sondern 
innerlich, d. h. an der untern Ansicht. der Decke angebracht ge- 
wesen, denn sonst hätte sie der obere Mantel versteckt. 
1 und yrlmxnag nugozllvjlovg gcotpöpvv; 1577029019 750119 1515 1601048 510V- 
Diod. Sie. lib. XVIII. 26. 
' Ich hatte Gelegenheit für die Leiche des zweitgrössten Feldherrn un- 
seres Jahrhunderts ein der Bestimmung nach verwandtes Werk auszuführen, 
über welches ich an anderer Stelle berichten Werde.
        

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