Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670924
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Viertes Hauptstück. 
Eine Menge von Architekten und Kunsttechnikern wurden 
herbeigezogen um das Werk zu vollenden das, wie es scheint, 
nicht durchweg aus Holz, sondern an seiner Basis aus Ziegeln 
bestand. Diese Basis betrug ein Stadium (600 Fuss) im Quadrat 
und war in 30 (36 i?) Gemächer getheilt. Oben War sie mit Palm- 
stämmen gedeckt. Auf dieser Plattform erhoben sich fünf Etagen 
und auf der letzten standen kolossale Syrenen, welche hohl 
waren und den Schall der in ihrem Innern verborgenen Sänger, 
die das Todtenlied sangen, vervielfachten. Die ganze Höhe be- 
trug 150 Ellen oder circa 225 Fuss. Alle Etagen waren mit 
Bildwerken und Draperien bekleidet. Zu unterst kolossale gol- 
dene Schiffssohnäbel 240 an der Zahl und auf den Ruderbänken 
derselben je zwei Bogenschützen in knieender Position und ge- 
harnischte Krieger, Fünf Ellen hoch. Die Zwischenräume waren 
mit zottigen Draperien in Purpurfarbe verhängt. Diese waren 
also zehn Fuss breit. 
Die zweite Etage war mit Fackeln verziert, 15 Ellen lang. 
Am Handgriffe hingen goldene Kränze, und, wo die Flamme ist, 
senkte sich ein Adler herab. Am Fussende aber richteten sich 
Drachen gegen den Adler empor. Diese Embleme waren wahr- 
seheinlich an einem Hintergrunde aus reichen Stoffen befestigt. 
Die dritte Etage war mit Draperien verhängt die einenrFr-ies 
von Jagden und Thieren aller Art bildeten. Der vierte Absatz 
enthielt einen Centaurenkarnpf in Gold gearbeitet und der fünfte 
eine sich wiederholende Gruppe eines Löwen mit einem Stiere. 
Den sechsten letzten Absatz endlich bedeckten makedonische und 
barbarische Waffen. Die Kosten betrugen 12,000 Talente, circa 
12,000,000 Thaler. 
Bei diesem Baue, dessen Dekoration wenig griechische Ele- 
mente zeigt, schwebte dem makedonischen Todtenspender viel- 
leicht das Vorbild der chaldaisch-assyrischen Beluspyramiden vor 
Augen. (Siehe weiter unten und im zweiten Theile Assyrien.) 
Ein Seitenstück zu dieser grossartigen Bestattung ist die uns 
durch Herodiansl Bericht unter vielen ähnlichen genauer be- 
kannte Consekration des Kaisers Septimius Severus. 
Sieben Tage lang dauert die Todtenfeier in dem Vestibulum 
des Kaiserpalastes, in welchem sein wächsernes Bildniss in Gold- 
gewändern auf elfenbeinernem Lager zur Schau steht, und zwar 
1 Herodianus IV. 2.
        

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