Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670890
Textile Kunst. 
Exkurs. 
Tapezierwesen 
der Alten. 
313 
keineswegs naiver Zeit entgegentreten und in der That eben so 
noch heute bei jeder Festhütte vorkommen. Man überrascht 
gleichsam die Baukunst in ihrem Fortbildungsprozesse aus die- 
sem nackten Grundgedanken bei jener Stelle des Strabo, WO er 
die Bauweise der babylonischen Wohnhäuser beschreibt: „man 
mache in Babylonien die Wohnhäuser wegen der Holzarmuth 
aus Palmbalken und Palmsäulen. Um die Säulen legt man aus 
Rohr gedrehte Stricke, die hernach durch Anstrichlage gefärbt 
und gemustert werden." 1 
Was bedürfen wir aber der Nachweise aus den Autoren, da 
sich dieser Entwicklungsgang, freilich wie ich meine auf gelehrte 
hieratisch archaistische und keineswegs naturgemäss ursprüngliche 
Weisef an den Ordnungen Aegyptens sehr deutlich zeigt, und 
zwar sowohl an denen die noch steinern vor uns stehen, wie vor- 
züglich auch, und noch unverkennbarer an den kleineren kapellen- 
artigen Monumenten und Pavillons die so häufig auf Wandgemälden 
und Papyrusrollen vorkommen. Vielleicht dürfen wir sogar glauben, 
dass ähnliche Motive den Architekten am ägyptisch-griechischen 
Hofe des Ptolemäers bei der Verzierung des oben beschriebenen 
Prachtzeltes vorschwebten. Das Durcheinander des Primitiven 
und höchst Raffinirten ist gerade für die den Rückfall zur Bar- 
barei des Ostens vorbereitende Luxusperiode der Nachfolger Alexan- 
ders höchst charakteristisch. Auch wissen wir aus der berühm- 
ten Beschreibung des Schiüies Thalamegos, das derselbe Ptole- 
mäus Philadelphus erbaute, auf welche wir im Kapitel der Tek- 
tonik zurückkommen werden, wie man damals ägyptisirteß 
Es lässt sich denken, dass die Römer in ähnlichen Festanlagen 
bei Triumphen und Aedilitätsantritten 4 den griechischen Dynasten 
der alexandrinischen Zeit, von denen sie die Prunksucht erbten, 
durchaus nichts nachgeben; wir haben auch allgemeine Notizen 
über derartige Bauten, unter denen das Volk bewirthet wurde, 
Strabo 
XVII. 
739. 
2 Siehe den Paragraph dieses Hauptstücks 
Land Betreßende im zweiten Theil- 
über 
Aegypten und das 
dieses 
Athenaeo 
Callixenus 
' Suet. Jul. Caes. 10. Cäsar schmückte ausser dem Comitium, dem F0- 
rum und den Basiliken auch das Capitol mit temporären Portiken, (porticibus 
ad tempus extructis,) wobei der Luxus der Zurüstungen dem der dargebotenen 
Schaugegenstände gleichkam. 
Semper. 40
        

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