Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670885
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Viertes 
Hauptstück. 
über diesen war der acht Ellen hohe Raum. oberhalb der Decken 
des Ümganges, benützt um Nischen zu konstruiren, sechs an 
jeder Langseite und vier nach der Breite des Raumes. In diesen 
Nischen (oder Grotten) lagen, einander zugewcndet, tragische, 
komische und satyrische Figuren, naturgetreu angekleidet, und 
neben ihnen waren Gefasse aus Gold aufgestellt. Dazwischen 1 
waren Nymphen angebracht und abwechselnd mit ihnen goldene 
delphische Dreifüsse mit ihren Untersätzen. Auf der höchsten 
Spitze des Daches standen Adler, die einander zugewendet waren, 
aus Gold und 15 Ellen hoch. Die 100 goldenen von Sphinxen 
getragenen Lagerbetten standen längs den beiden Langseiten. 
Die dem Eingange gegenüber belindliche Seite blieb leer. Die 
Betten waren prächtig mit langhaarigen Purpurwollenstoßcn ge- 
polstert; darüber lagen gestickte bunte Auläen von ausgezeich- 
neter Kunst. Der in der Mitte ausgebreitete Fussteppich von 
persischer Arbeit zeigte schön gezeichnete figürliche Darstellungen, 
Das Geräthe (die Tische etc.) entsprach dieser Pracht. Im Hinter- 
grunde dem Eingange gegenüber, so wie auch im Angesicht der 
Gäste also am Eingange waren Repositorien errichtet, auf wel- 
chen Gefässe der mannigfachsten Form aus den edelsten Stoffen 
kunstvoll gebildet und mit Edelsteinen besetzt zur Schau standen, 
Der Werth derselben, an Gewicht allein, wurde auf 10,000 Talente 
Silber taxirt. 
Hier sehen wir ein anderes Prinzip der Bekleidung der kon- 
struktiven Theile des Baues, die nicht mit Gold und anderen 
Metallen, sondern noch provisorischer und vorübergänglicher nur 
mit Laubgewinden, Baumzweigen und Kränzen geschmückt, am 
Dache aber mit Stoffen überzogen sind. Gleichwohl sind sie in 
stilhistorischer Beziehung nicht minder interessant als jene und 
mit ihrer Festbekleidung in Wahrheit die reinsten Typen des 
noch nicht organisch durehgebildeten, sondern in äusserlicher Auf- 
fassung des Grundgedankens sich bewegenden antiken Säulen- 
systems, obschon sie uns hier an einem Werke aus sehr später 
1 Wohl als Wandxiguren an die Pilaster oder Orthostaten angelehnt, Welche 
zwischen den Grotten aufstiegen und die Shützen der Decke bildeten. Diese 
Stelle im Athenäiis scheint korrumpirt zu sein. Casanbonus will statt Nym. 
Phen Nymphäen gelesen wissen; dann wäre wieder an nisehenartige Vertiefun- 
gen zu denken, die zwischen jenen Grotten die Räume ausfüllten und in denen 
Dreifüsse standen,
        

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