Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670827
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Viertes 
Hauptstück. 
sein. Es genügte hier die einfache Thatsache zu constatiren, näm- 
lich die uraltherkörnmliche Anwendung durchsichtiger 
Farbenüberzüge und Decken selbst bei so edlem und 
unverwüstlichem Stoffe wie das Gold. 
Dieser Emailmalerei auf Goldgrund, denn so müssen wir uns 
die gesammte Goldpracht antiker Monumente denken, wurde auch 
durch getriebene Arbeit nachgeholfen, die sich auf dem genügend 
festen und zugleich nachgiebigen Kerne von Holz, (der jedoch Öfters 
durch andere noch geeignetere Substanzen ersetzt wurde,) bequem 
ausführen liess. Diess ist die Empaistik. 1 Ihm folgt die eigent- 
liche Hohlkörpertechnik des Sphyrelaton.  Doch ich darf dem 
Kommenden nicht vergreifen und bemerke nur noch dass die 
Goldbeschlätge der Stiftshütte nach der Beschreibung ganz glatt 
(unis), aber die mit Gold beschlagenen Cedertafeln und Ceder- 
balken an dem Tempel Salomos mit getriebenem Bildwerke ver- 
ziert waren. 
Wir sehen hier wieder, und zwar an einer uralten Technik, 
dasjenige, was ich weiter oben als Hyperfötation des Bekleidungs- 
prinzipes charakterisirte: der hölzerne Kern verhüllt durch Metall- 
überzug, dieser seinerseits bekleidet mit einer farbigen "Wachs- 
kruste. " 
Der Bau der Stiftshütte erregt noch in anderem Sinne in 
hohem Grade unser stilgeschichtliches Interesse, nämlich durch 
das Vorkommen der Säulen, die hier noch gleichsam das Mittel 
l Wir tragen Bedenken, diesen Schritt als den zweiten in dem 
Sinne zu bezeichnen, dass die erhabene Arbeit in Metall (Gold) aus der ur- 
sprünglichen Sitte des Ueberziehens der unedleren StolTe mit glatten Gold- 
flächen sich allmählig entwickelt habe, denn es liegt das Embossiren der 
Metallliächen so sehr in dem Prinzipe der Hohlkürperkonstrixktion, dass es 
auf rohe Weise gewiss schon bei den ersten Versuchen der Menschen in der- 
selben sich zeigte. Vielleicht darf vielmehr das glatte gemalte Metallfeld als 
eine sekundäre Abstraktionydas embossirte WVerk, dessen Vertiefungen mit 
Farben ausgefüllt sind, als das Urspriinglichere gelten. Man vergesse nicht, 
dass das Prinzip des Bekleidens schwerlich zuerst in diesem metallischen Stoffe 
ausgeübt wurde, und dass die Stickerei auf Leder, Baumrinde und selbst auf 
Geweben vorausging, ehe man Metall zu treiben lernte. Die glatten Flächen 
der Stiftshütte im Gegensatze zu den embossirten Weiterbildungen derselben 
auf den Wänden des salomonischen Tempels dürfen hier nicht angezogen 
werden. abgesehen von dem zweifelhaften Alter der Nachrichten über sie; denn 
jene war ein provisorischer Bau und die Künstler, die dabei wirkten, mussten 
(liß embossirten Metallbekleidungen der Aegypter und Phönizer schon kennen.
        

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