Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670803
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Hauptstück. 
Viertes 
Steines mit Metall, von den Phönikiern sowie von den Aegyptern 
geübt worden war. Dieser Prozess gehört zu den ältesten die 
überhaupt in den technischen Künsten Anwendung fanden. Die 
früheste technische Beniitzung des Metalls und zwar des Goldes, 
das allein unter den Metallen in gediegenem Zustande gefunden 
wird, und zu dessen ausgezeichnetsten Eigenschaften seine Dehn- 
barkeit gehört, konnte keine andere sein als das bezeichnete 
Verfahren des Beschlagens und Konsolidirens gewisser Geräthe, 
die einen starken Widerstand aushalten und zugleich glänzen 
sollten, mit Goldplatten, welche letztere übrigens schon lange 
vorher lediglich zum Schmucke gedient haben mochten, und 
deren Resistenz vielleicht zuerst bei Vertheidigungs- und An- 
gritfswaHen erprobt worden war. Aelteste Brustplatten aus Gold- 
blech, angeblich keltischen Ursprungs in Gräbern gefunden, geben 
vielleicht die Beweise der primitivesten Benutzung des Metalles 
zu einem Schmucke, der gelegentlich auch Schutzmittel ist. 1 
Es blieb wegen der bezeichneten Eigenschaften des Glanzes, 
der Bildsamkeit und der zähen Widerstandsfähigkeit, die schon 
sehr früh erkannt wurden, das Metallblech die gewöhnliche Be- 
kleidung der festen, struktivfungirenden, Theile eines Pegma, 
einer Zusammenfügung, mochte diese nun das Geräthewesen oder 
das eigentliche Bauwesen betreffen. Daher führen uns diese Be- 
trachtungen theils auf das Gebiet der Tektonik, theils auf das- 
jenige der Metallotechnik, sie bewegen sich in der That um einen 
Punkt woselbst die drei Proceduren des Bekleidens, Zimmerns 
und Metallarbeitens, (welches letztere eigentlich eine abgeleitete, 
nicht prinzipiell selbstständige Technik ist,) sich begegnen und 
zusammenwirken. Wir brechen sie diessmal ab, um sie später 
des öftern wieder aufzunehmen, wozu uns die Wichtigkeit der- 
selben zwingt. Es gibt in Wirklichkeit nichts Bedeutsameres in 
der ganzen Stilgeschichte der Baukunst als das Hohlkörperkon- 
struktionssystem (Tubularsystem), das in jenen ursprünglichen 
metallbeschlagenen Brettern und Pfosten noch latent liegt, gleich- 
sam noch wie im Embryo enthalten ist. 
1 Im britischen Museum befindet sich ein solcher Brustschild, dessen Alter 
ganz problematisch zu sein scheint. Vergl. damit die bekannten Stellen im 
Homer über Schilde und WaEen der Heroen. Merkwürdige sehr dünne Gold- 
und Zinnplatten, mit eingestempelten vertieften Figuren und Hieroglyphen 
aus sehr früher Zeit ägyptischer Civilisation eben daselbst. Man findet sie an 
Mumien.
        

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