Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1667565
XXIV 
Gegensatz gegenüberstellt, in ihnen gleichsam abspiegelt, dass ihre Ge- 
staltung durch diese Beziehungen bedungen ist. 
Da nun zugleich das Prinzip der lndividualisirung bei jeder 
Erscheinung, die auf Vollständigkeit Anspruch macht, durch gewisse An- 
,0rdnung ihrer Theile scharf und deutlich symbolisirt ist, so stellen sich 
drei Gestaltungsmomente heraus, die bei Formenentstehrlngen thätig sein 
können, die aber oft bei niederen Formationen ihre Thätigkeit in 
Eins vereinigen, oder von denen dabei das eine schlummert. Diese Ge- 
istaltungsmomentc, WO sie alle drei in Thütigkeit sind, entsprechen den 
drei Dimensionen der räumlichen Ausdehnung nach der Höhe, Breite 
und Tiefe. 
Insofern nun, mit Beziehung auf die drei Gestaltungsmomente, die 
Vielheit der Form sich dreifach zu einer Einheitlichkeit zu ordnen hat, 
treten folgende drei nothwendige Bedingungen des Formal-Schönen hervor; 
-1) Symmetrie,  
2) Proportionalität, 
3) Richtung. 
So wenig wie es möglich ist, sich noch eine vierte räumliche Aus. 
dehnung zu denken, eben so wenig kann man den genannten Eigen- 
sehaften des Schönen noch eine homogene vierte hinzufügen. 
 Das Gesagte wird anschaulicher werden durch das Folgende: 
Gestaltungsprinzip der vollständig in sich abgeschlossenen 
für das Aussensein indifferenten Formen.  
Diese haben unmittelbare Beziehung nur allein zu sich selbst; ihre 
Elemente ordnen sich daher um einen Kern oder Mittelpunkt, der gleich- 
sam der Repräsentant der Einheitlichkeit ist, dem die Theile, die ihn in 
regelmässigen Figuren entweder umkreisen oder umstrahlen oder in ge- 
mischter, radial peripheriseher Anordnung umgeben, als die Vielheitlich- 
keit der Gestaltung entsprechen. Derartige Erscheinungen treten uns 
am vollkommensten entgegen in dem Mineralreiehe, theils plani- 
metrisch als Polygone, Sterne und gemischte Formen (oft von grossem 
Reichthum in der Erfindung wie z. B. die Sehneeliocken) theils körper- 
lieh als Polyeder, vom regelmässigen Hexaeder bis zur Kugel. Das Ge- 
setz der Molckularattraktion, das ungestört allseitig und alleinig waltcnde, 
zugleich die Indifferenz nach Aussen, oder vielmehr allseitiges Zurück- 
weisen der äusserliehen Einwirkungen, finden in diesen Krystallbildungen 
ihren vollkommensten Ausdruck, nämlich strenge Regelmässigkeit und 
allseitige Abgeschlossenheit. Bei dem Kreise als Polygon von unendlich 
vielen Seitenlinien und der Kugel als Polyeder von unendlich vielen
        

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