Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670746
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Viertes 
Hauptstück. 
mal wieder durch einen Senatsbeschluss oder das Edikt eines 
Kaisers reine Gasse gemacht und aufgeräumt wurde. 
Wir haben verschiedene Beispiele von derartigen Abrech- 
nungen mit der Vergangenheit. 1 Es scheint auch dass ein Theil 
dieser Dekorationsmalereien, nachdem sie ihre öffentlichen Dienste 
gethan hatten, zum Schmucke der Eingänge und Atrien der 
Häuser der Aedilen, Festgeber und Triumphatoren verwandt 
wurde, 2 woselbst sie, mit ihren titulis und prooemiis überschrie- 
ben, den Ruhm und den Adel der Familie verkündeten. 
In anderen Fällen mochten sie die Veranlassung geben zu 
späterer soliderer Ausführung des Motives welches durch sie ge- 
geben war. In dieser Beziehung sind die Triumphbogen zu nen- 
nen, gleichsam Gegenstücke und Antistrophen zu den bereits 
oben angeführten Triumphalsäulen als Repräsentanten eines fest- 
lich geschmückten Durchgang s. Auch an ihnen sehen wir einen 
Stil der Plastik und eine Applikation derselben, die. sich lediglich 
und allein aus dem angeführten Urnstande richtig erklärt. Wer 
ahnt nicht hier den innigen Zusammenhang des in Rede stehen- 
den Prinzips mit der gesammten Architektur des Alterthums und 
dessen ungemeine Wichtigkeit für die architektonische Stillehre 
schon aus diesen kurzen Andeutungen! 
Eine besondere Richtung nahm das altrömische, wahrschein- 
lich uralt überlieferte, Prinzip der festlichen Ausschmiickung der 
Monumente bei Pornpen und an solennen Tagen seit der Bekannt- 
schaft des römischen Volks mit den geraubten Kunstschätzen 
der Griechen. Die ältere anspruchslosere Dekorationsmalerei und 
Verbrämung der Monumente mit Leinwandtapeten und Effekt- 
bildern musste nun einer bei weitem solideren und kostspieligeren 
Methode des Dekorirens Platz machen, oder doch mit ihr in Ver- 
1 Liv. XL. 51. M. Aemilius Lepidus censor  aedem Jovis in capitolio 
colunmasque circa poliendas albo locavit; et ab his columnis, quae incom- 
mode apposita videbantur, signa amovit. Diess geschah'im J. 179 v. Chr. 
Etwa 200 Jahre später verordnete August mit Bewilligung des Senats eine 
zweite Aufräumung. 
2 Auctor carm. ad Pison. S. in Wernstorfs Poet. lat. minores IV. p. 238. 
Nam quid imaginibus quid avitis fulta triumphis Atria etc. Plin. XXXV. 2. 
Altae foris et circa limina alienaruln gentium imagines erant. ibid. Aifixis 
hostimn spoliis. Liv. XXXVIII. 43. Ambracianl captam signaque quae ßlblata. 
criminantur et caetera spoliel ejus urbis ante currum laturus et üxurus in 
postibus suis. Vorgl. R. Rochette peint. ant p. 344 E.
        

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