Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670705
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Viertes Hauptstück. 
Technik der Flächendekoration von der Umrahmung abhängt und 
ohne letztere gar nichts Gewebtes als Fläche sich entwickeln 
kann, da ihr der Webstuhl und der Stiekrahmen noch ausserdem 
ganz bestimmte und zwar sehr beschränkte räumliche Grenzen 
stellen. In Betracht dieser räumlichen Grenzen der Hyphantik 
(textilen Kunst) wenden auch wir auf sie noch häufig genug ähn- 
liche Worte an, z. B. Bahn, Stück und dergl. 
Wie oft die Malerei die gesticktem Muster und Darstellungen 
auf Stoffen, sogar auf Kleidungstücken 1, bei den Alten ersetzen 
musste ist aus unzähligen Stellen der Schriftsteller nachweislich. 
Diese Sitte scheint ursprünglich aus Aegypten zu stammen, und 
wie so vieles Andere, was die spät griechische und römische 
Kunst eharakterisirt, über Alexandrien und durch die Vermitt- 
lung der ptolemäischen Glanzperiode, die ägyptische Elemente 
in eigenthiimlichster Weise hellenisirte, den Weg nach Griechen- 
land und Rom gefunden zu haben. 2 Wir werden diesem alexan- 
drinischen Einflusse wiederbcgegnen wenn uns der Gang unserer 
Untersuchung auf die Besprechung der monumentalen Anlagen 
Roms zu den Kaiserzeiten führen wird. 
Ich denke mir jene auf Rädern fortbewegten gigantischen Ma- 
schinen, thensae oder tensae (von tendcre ausspannen) und fer- 
cula, gr. rmfyaaza genannt, in ähnlicher Weise wie die verzierten 
Scheiterhaufen (busta, rogi, vwgai), von denen später zu sprechen 
sein wird, mit Zonen von Teppichen und gemalter Leinwand um- 
hegt, ausserdem mit Elfenbeinstatuen, Bildwerken aus Gold und 
Silber, Schilden und Festons glänzend ausgestattet und mit Trg- 
päen, Spolien und geraubten Kostbarkeiten aller Art bekrönt. 
1 Z. B. Apulejus Metain. XI. Tribunae jussus superstiti, byssina quidem 
sed {ioride depicta veste conspicuus . .  . Quaqne viscres colore vario circum- 
notatis insignibar animalibus. Hinc dracones Indici, inde gryphes hyperborei 
quos in speciem pinnatae alitis generat mundus alter. 
2 Wie sehr die Römer der Kaiserzeit in der Technik der Leinwandmalerei 
bereits die Grenzen überschritten hatten, welche die Kunst in ihrer besten 
Zeit einzuhalten pflegt, beweist das 120 Fuss hohe auf Leinwand gemalte 
Kolossalbild des Nero, (Plin. XXXV. 7. 35) beweisen auch die bereits ange_ 
führten Siparien der Theater. Man führte ähnliche Vorhänge mit darauf ge- 
malten Verbrecherscenen aus und hing sie zwischen das Tribunale, wo Ge- 
richt gehalten wurde, und die Basilika, als Scheidung und zugleich um durch 
Sie auf die Gemüther der Richter einzuwirken. Quintil. Just. Orät. VI. 1. 3,
        

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