Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670684
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Viertes 
Hauptstück. 
Später stellte L. Scipio das Gemälde seines asiatischen Sieges 
auf dem Kapitole aus. L. Hostilius Mancinus liess seine Helden- 
thaten bei Erstürmung der Mauern Karthagos, die Lage dieser 
Stadt und den ganzen Hergang der Belagerung malen und im 
Forum "ausstellen," wobei er selbst den Exegeten der Schil- 
dereien machte und dem Volke die dargestellten Scenen erklärte. 
Auch eigentliche Dekoration mit gemalter Architektur kam dabei 
in Anwendung, wie diejenige war durch welche die Aedilität 
des Claudius Pulcher sich auszeichnete, der während der circensi- 
sehen Spiele grosse Versatzstücke mit gemalten Tempelfacaden etc. 
verbrachte, wodurch die Raben getäuscht wurden und sich auf 
die gemalten Dachziegel setzen wollten. Bei dieser älteren Art; 
der festlichen Ausschmückung der Plätze und Monumente Roms 
erkennt man das Hervortreten eines schildernden Princips der 
Malerei, das entschiedenen Gegensatz bildet zu dem plastisch 
idealen Stile dieser Kunst bei den Griechen, und das dem breiten 
illustrirenden Tone der Darstellungen auf assyrischen und babylonL 
sehen Teppichen, wie wir sie aus den Beschreibungen der Alten 
kennen, auffallend gleicht, ein Princip das sich auf den Alabaster- 
reliefs von Niniveh wiederfindet, sowie es merkwürdigerweise 
nach vielen Jahrhunderten bei gänzlich umgestalteten socialen 
Verhältnissen in den frühesten Teppißllwirläeräien und Leinwand- 
malereien des Mittelalters fast durchaus unverändert wieder auf- 
taucht. 1 Die ausführlichsten Mittheilungen über Inhalt und 
Behandlung dieser eigenthümlichen Branche antiker Malerei Ver- 
danken wir Flavius Josephus in seiner Beschreibung des Trium- 
_phes der Flavier übel-das zerstörte Jerusalem. Ungeheure Wagen 
(fercula, pegmata), die bis zu dem dritten und vierten Stock- 
werke der Etagen shinaufreichten, Waren theils mit golddurchwirk- 
ten Teppichen, theils mit gemalten Bildern, umhegt (rregzßäßlqzo) 
und wenn man von den Schlachten, Metzeleien, Eskaladen, Fluss- 
übergängen, Siegeszügen und sonstigen Kriegsscenenl-liest, die 
darauf gemalt waren, so glaubt man einen Bericht Layards über 
neue Entdeckungen von Alabastertafeln aus Kudjundschik vor 
sich zu haben. 1 Ich zweiiie keinen Augenblick dass diese trans- 
portablen auf Wagen fortgezogenen Gemälde ebenso wie diejeni- 
gen welche ihnen antwortend und entsprechend die Hallen und 
Wände der Monumente festlich schmückten im eigentlichsten 
' Siehe weiter unten,
        

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