Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670678
Kunst. 
Textile 
Exkurs. 
Tapezierwesen 
der Alten. 
291 
licher Monumente waren zuerst nur auf die Dauer des Festes 
berechnet, und wenigstens in materieller Beziehung nichts anderes 
als was noch jetzt das Wesen einer Festordnung ausmacht, näm- 
lich auf Leinwand über leichtem Lattengerüst ausgeführte Deko- 
rationsmalerei. Nur dass man selbst in den Zeiten destief- 
sten Verfalls der Künste immer noch an dem eigentlichen Ge- 
danken, der solchen festlichen Aussehmüekungen der Plätze und 
Monumente zum Grunde liegt, festhielt, von welchem nur u n sere 
Architekten und Dekorateursl, die sogenannten Praktiker, denen 
solcherlei einträgliche Aufträge gewöhnlich zu Theil werden, nichts 
wissen, auch aus guten Gründen nichts wissen Wollen.  
Die Plätze und Monumente Waren alte gehciligte WVürden- 
träger des Volks, die es galt, nicht zu verhüllen und unkennt- 
lich zu machen, sondern der Gelegenheit entsprechend in über- 
raschend festlicher und neuer Weise hervorzuheben, sie gleich- 
sam durch den ihnen geliehenen Schmuck eine improvisirte, die 
Veranlassung des Festes betreffende Allokution an das Volk hal- 
ten zu lassen. Daher blieb die möglichste Sorge für die Erhaltung 
der Individualität der alten welthistorischen ltlonuincnte für den 
dekorirenden Aedilen und die unter ihm wirkenden Architekten 
und Dekorateurs erste Pflicht und Regel. Durch den Ornatus 
und die ihm eingefügten Argumente wurden sie nur festlich be- 
seelt, wurde ihnen das Organ sich als alte Bekannte vernehmlich 
mit dem Volke über die Zeitumstände zu unterhalten geliehen. 
Das früheste Beispiel einer Dekoration der Monumente Roms, 
von welchem wir Näheres Wissen, wurde gegeben bei Veranlassung 
der Pompa des M. Valerius Maximus Messala, im Jahre Roms 490 
(262 vor unserer Zeitrechnung). Plinius erzählt dieser Feldherr 
habe die Schilderei der Schlacht, in welcher er die Karthager in 
Sicilien besiegt habe, an der Seite der Curia Hostilia "au s ge- 
s telltf" Erst 47 Jahre später im Jahre 443 der Stadt fällt der 
Triumph des L. Papirius Cursor über die Samniten, den Livius 
fälschlich für den ersten erklärt, bei welchem das Forum von 
den Aedilen geschmückt werden sei (Inde natum initium dieitur 
fori ornandi ab aedilibus quum thensae dueerentur. Liv. IX. 40). 
1 Plin. XXXV. 4. Dignatio (picturae) praeoipue Romae inurevit (existimo) 
a. M. Valerio Max. Messala qui princeps tabulam picturae praelii quo Cartha- 
ginienses et Hieronem in Sicilia. devicerat proposuit in latere Curiae liostiliae 
anno ab urbe c. 490.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.