Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670652
Kunst. 
Textile 
Exkurs. 
der Alten. 
Tapezierwesen 
289 
des Hauses fort und durch sie wird das Freie in den Bereich 
desselben hineingezogen. Ein doppeltes Spalier bezeichnet den 
geweihten Dromos den die Pompa nehmen wird. Assyrische, 
babylonische Tapeten, tyrische Purpurdecken und alexandrinische 
Prachtgewebe werden bei dieser Gelegenheit zur Schau gestellt; 
WO sie nicht zureichen werden gemalte Stoffe benützt; auch über- 
deckt sind diese Gange und zwischen hohen bewimpelten Säulen 
flattern purpurfarbige und weisse Peplen. 1 
Dieses sind älteste Volksüberlieferungen; sie sind, wie gesagt, 
älter als die Baukunst selbst und sie greifen auf mehrfache Weise 
formengebend und formenumbildend sogar tief in den monumen- 
talen Stil dieser Kunst ein. Diess bezeugen schon jene bereits 
erwähnten kolossalen Baldachinträgcr zu Karnak, die den heiligen 
_Dr0m0s der Pompa des Reichsgottes Aegyptens, wie sie des 
TempelsiVorhof der Länge nach durchzieht, bezeichnen. Densel- 
ben Zweck als Baldachinhalter haben auch jene mystischen Sphinx- 
alleen, durch welche die Fortsetzung des Dromos von Station zu 
Station, und bis zum Ufer des heiligen Nilstroms, bezeichnet ist. 
Sicher mussten die grossen Tempelfeste der Griechen aus 
bester Zeit nach derselben allgemeinen Völkerüberlieferung durch 
improvisirte Ausschmückungen und Bekleidungen der Monumente 
öffentlicher Plätze und Strassen gehoben sein. Hätten wir nur 
genauere Beschreibungen der Aufzüge jener athenischen doppel- 
ten Panathenäenfeste, der grossen und kleinen Dionysien, der 
Thesmoforien und Eleusinien, wie wir sie von den Pompen und 
Festgelagen der üppigen nachalexandrinischen Zeiten besitzen? 
Fackelträger hervortreten. Hippolochos in Athen. IV. 5. Bei einem Gast- 
mahle das Kleopatra dem Antonius gab waren die Wände des Prachtgemaches 
besonders zu diesem Feste mit goldgestickteu Purpurtapeten umspannt. S0- 
crates Rhod. in Athen. IV. 29. 
1 Ovid. Amor. III. 13. It per velatas annua pompa vias. 
9 Nur vom Peplos der Athena, der von den Stickerinnen (Ägyädtwat) unter 
Aufsicht von zweien aus der Mitte edler Geschlechter gewählten Arrhephoren 
und unter Theilnahme einiger Priesterinnen gewebt und gestickt wurde, 
wissen wir dass er, auf einer rollenden Maschine die einem Schiffe glich 
segelartigausgespannt, durch die Strassen und Plätze die der heilige Zug 
nahm zur Schau gefahren wurde. Er war auf Scharlach- oder Safran- 
grunde goldgestickt. Die sehr kunstvolle Stickerei stellte den Giganten- 
kampf und andere den Ortsmytheu und der Geschichte Athens entnommene 
Motive dar. Dass bei diesem Feste die Strassen und Plätze durch welche 
der Zug ging durch Dekorationsbauten geschmückt wurden, ersieht man aus 
Semper. 37
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.